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Abstimmung

Kreuzplatz darf ein neues Gesicht erhalten

Ein neuer Quartierkern für Madretsch: Die Bieler haben gestern deutlich Ja gesagt zur Zonenplanänderung, die beim Kreuzplatz eine Überbauung inklusive Hochhaus ermöglicht.

Der rotbraune Schornstein ist charakteristisch für das Schnyder-Areal. copyright:linoschaeren/bielertagblatt

Es ist ein deutliches Verdikt: 80,6 Prozent haben gestern Ja gesagt zur Teiländerung der baurechtlichen Grundordnung im Bereich des Kreuzplatzes. Diese ermöglicht eine Wohnüberbauung im Zentrum von Madretsch. Stadtpräsident Erich Fehr (SP) zeigte sich deshalb am gestrigen frühen Nachmittag entsprechend zufrieden: Der Abstimmung sei eine lange Planungsphase vorausgegangen und entsprechend froh sei er über die Unterstützung der Stimmbevölkerung. «Es war wichtig, nicht auf der Zielgeraden zurückgepfiffen worden zu sein», so Fehr.
Mit dem deutlichen Ja war zu rechnen, hatte sich im Vorfeld der Abstimmung doch keine Opposition gegen die Vorlage geregt. Im Stadtrat war das Geschäft im vergangenen November ohne Gegenstimme verabschiedet worden. Die rund 80 Prozent Zustimmung sind die logische Konsequenz – erfahrungsgemäss werden unbestrittene Vorlagen in Biel mit einer Mehrheit dieser Grössenordnung genehmigt.
Mit dem Ja zur Anpassung der baurechtlichen Grundordnung wird sich das Quartierbild von Madretsch in absehbarer Zeit deutlich verändern. Die neue Zonenplanung ermöglicht auf dem Schnyder-Areal auf 15 000 Quadratmetern um die 150 neue Wohnungen. Herzstück der Überbauung soll ein Hochhaus mit einer Höhe von maximal 46 Meter werden. Heute ist das Gebiet zwischen Madretschstrasse und der ehemaligen Seifenfabrik geprägt von Parkplätzen, zudem wird hier verschiedenstes Material zwischengelagert. Mit der Wohnüberbauung soll das Quartier, und insbesondere die in Verruf geratene Madretschstrasse, aufgewertet werden.
Das hat einen direkten Zusammenhang mit dem A5-Ostast, der im Oktober 2017 eröffnet wurde. Vor dieser Eröffnung sei der Kern des Quartiers Madretsch im Laufe der Zeit mehr und mehr zu einer einzigen Durchgangsstrasse verkommen, sagte Fehr im November im Parlament. Der Ostast hat zusammen mit den verkehrlich flankierenden Massnahmen (vfM) aber dazu geführt, dass die Verkehrsbelastung beim Kreuzplatz fast halbiert werden konnte.
Das heisst handkehrum: Die Madretschstrasse wird als Wohnort attraktiver. Und: Der Kreuzplatz soll mittelfristig völlig neu gestaltet werden. Das war zwar nicht direkt Gegenstand der gestrigen Abstimmung, die Anpassung der baurechtlichen Grundordnung schafft aber den nötigen Platz für den «neuen» Kreuzplatz. «Mit dem Ostast haben wir ganz neue Möglichkeiten», sagt denn auch der Stadtpräsident. Zwar werde die Kreuzung nun nicht sofort umgestaltet, das gestrige Ja an der Urne habe aber die städtebauliche Planung dazu sichergestellt.
Trotz geplanter Überbauung: Der rotbraune Schornstein, der so charakteristisch ist für das Schnyder-Areal beim Kreuzplatz, bleibt bestehen. Er steht für die Vergangenheit, als hier noch Seife produziert wurde, ehe die Fabrik 1989 stillgelegt werden musste. Der Schornstein ist weitherum sichtbar, ansonsten ist heute von aussen vom Schnyder-Areal nicht viel zu sehen, nicht von der ehemaligen Fabrik und schon gar nicht von der stattlichen Schnyder-Villa mit Baujahr 1901 (die ebenfalls erhalten bleibt). Dabei herrscht weiterhin viel Betrieb hinter Zaun und Bäumen, in der Fabrik sind heute diverse Firmen untergebracht, ebenso diverse Architekturbüros. Auch das soll so bleiben.
Gebaut werden soll auf dem Schnyder-Areal zwar so schnell wie möglich, das dürfte aber nicht vor 2021 sein. Vorerst gilt es nun, das Projekt in einer Überbauungsordnung zu konkretisieren. Auch ein Investor hat die Gebrüder Schnyder & Cie. AG, der das grösste Stück der Parzelle gehört, noch nicht gefunden.  lsg

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