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Aus dem Stadtrat

Wandel im 
Klassenzimmer

Der Bieler Gemeinderat steht ohne Hemmungen hin und gibt zu, den Einstieg in das digitale Zeitalter der Schulen verschlafen zu haben. Nun wird die Stadt Biel vom Lehrplan 21 wachgerüttelt.

Sandra Gurtner-Oesch, GLP

Sandra Gurtner-Oesch, GLP

Er schliesse Unterrichtsinhalte mit ein, die ohne eine entsprechende digitale Ausrüstung nicht mehr umsetzbar seien. Der Gemeinderat will, nein, mus

Der Bieler Stadtrat ist an seiner letzten Märzsitzung dem Antrag des Gemeinderates gefolgt und hat die Ausgaben in Millionenhöhe beschlossen. Das Geschäft kommt am 19. Mai vor das Bieler Volk. Bei einem Ja kann die Stadtverwaltung über 2000 Tablets, fast 2000 Laptops und 300 Drucker beschaffen. So sollten ab 2021 alle Bieler Schulen gleichwertig und einheitlich ausgerüstet sein.

Gut ist.

Gut ist?

Die Digitalisierung schreitet in mächtigen und schnellen Schritten voran. Es wird nicht dabei bleiben, dass einige Unterrichtsinhalte digital zu vermitteln sind und das Bildungssystem sonst beim Alten bleiben kann. Nein, die Digitalisierung wird auch den Bildungsbereich revolutionieren. Die digitalen Möglichkeiten eröffnen riesige Opportunitäten, so beispielsweise auch für den individualisierten Unterricht, der es ermöglicht, die grossen Leistungsdifferenzen innerhalb eines Jahrgangs abzufedern.

Die Digitalisierung hat weitreichenderen Einfluss: Der Branchenverband Economiesuisse rechnet damit, dass zwei Drittel der Schülerinnen und Schüler später einen Beruf ausüben werden, den es heute noch nicht gibt. Jobprofile ändern sich in Windeseile, spezifisches Fachwissen veraltet rasch.

Die Schulen und damit das Lehrpersonal stehen vor einem gewaltigen Umbruch. Wie werden sie unterstützt? Wie gehen sie um mit den Herausforderungen der Digitalisierung? Wie sind sie einbezogen? Sind sie fit genug, um den technisch affinen Kindern Paroli zu bieten? Welches ist der zweckmässige Umgang mit den technischen Geräten im Unterricht?

Im Bericht des Gemeinderates konnte ich zu diesen Fragen keine Antwort finden. Aus meiner Sicht ist dies der Schwachpunkt bei dieser riesigen Investition. Wie die Bieler Lehrpersonen dem digitalen Wandel begegnen sollen, bleibt unklar. Dabei sind doch sie der Garant für eine erfolgreiche Umsetzung der Digitalisierung im Schulzimmer.

Zu hoffen bleibt, dass der Kanton Bern mit seiner pädagogischen Hochschule gewappnet ist und auch die Bieler Lehrkräfte bestmöglich unterstützt, den stattfindenden kulturellen Wandel sinnvoll mitzugestalten.

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