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Aus dem Grossen Rat

Den wahren 
Preis bezahlen

Sei es das Mehrweggeschirr an der Braderie oder das Berner Energiegesetz, seien es die schweizweiten Klimastreiks oder klimatische Extremereignisse in Übersee: Die Umweltthemen beherrschen zurzeit die Medien auf allen Ebenen.

Bild: Julien Stocker

Julien Stocker


Und das zu Recht. Nach jahrzehntelanger Ohnmacht und politischer Untätigkeit ist es schön zu sehen, dass die Klimastreiks über 60000 Menschen auf die Strasse lockten. Besonders freut mich, dass die Bewegung ausgerechnet bei den Jugendlichen, die bis jetzt vielen als politikfaul galten, ihren Ursprung fand. Durch die Demonstrationen am Samstag wurde gezeigt, dass es eben nicht nur ums Schuleschwänzen ging.

Jetzt sollten aber auch diejenigen Politiker 
aufwachen, die dem Thema bislang zu wenig 
Aufmerksamkeit geschenkt haben. Denn auf 
nationaler Ebene stand man während der laufenden Legislatur, was die Klimapolitik anbelangt, weiterhin auf den Bremspedalen: So wurde zum Beispiel im vergangenen Dezember die Revision des CO-Gesetzes im Nationalrat von der FDP und SVP komplett boykottiert.

Schade, denn somit bleiben gewisse Miss
stände bestehen. Zum Beispiel wird Kerosin als einziger fossiler Brennstoff nach wie vor nicht besteuert und damit setzt die Schweizer Politik weiterhin Anreize zur Vielfliegerei. Eigentlich unglaublich in der heutigen Zeit. Das CO-Gesetz hätte das zwar nicht direkt behoben, jedoch hätte man mit einer Ticketsteuer Abhilfe schaffen können. Ohne diese Steuer lässt sich der Bund jährlich Einnahmen von 1,6 Milliarden Franken entgehen. Mit diesem Geld hätte man Gebäude energetisch sanieren, in erneuerbare Energien investieren oder die Klimaforschung unterstützen können.

Meiner Meinung nach geht es in der Klimadebatte nicht nur um Verzicht, sondern vor allem auch darum, dass wir für Waren und Dienstleistungen, die wir konsumieren, den wahren Preis zahlen und ihn nicht auf zukünftige Generationen abwälzen.

Der frühere britische Premierminister Tony Blair sagte angeblich einmal: «Kein Politiker, 
der vor einer Wahl steht, würde gegen billiges Fliegen stimmen.» Hoffentlich ändert sich das 
mit den Klimastreiks zum Gegenteil. Ansonsten besteht für die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger bei den diesjährigen National- und Ständeratswahlen im November die Möglichkeit, die Parlamente mit klimafreundlicheren Kandidaten zu bestücken.

kontext@bielertagblatt.ch

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