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A Table

Fast-Food für Geduldige

Biel ist keine Gourmet-Hochburg: Nach Gault-Millau-Punkten sucht man lange, nach Guide-Michelin-Sternen vergebens. Bekannt ist die Stadt vielmehr für die grosse Dichte an Döner- und Pizza-Lokalen.

Carmen Stalder

Die Qualität der dort angebotenen Speisen kann getrost als schwankend bezeichnet werden. Darunter gibt es glücklicherweise Ausnahmen, die positiv hervorstechen – und eine davon ist das «Kübban». Viele Bielerinnen und Bieler sind sich einig, dass es hier den besten Kebab der Stadt gibt. Diesen Eindruck gewinnt man auch beim Durchstöbern der Bewertungen auf dem Online-Portal Trip Advisor, wo betont wird, dass man es hier nicht mit einer gewöhnlichen Imbissbude zu tun hat.

Also geht es in einer Mittagspause an die Kanalgasse, wo bereits eine lange Schlange auf die Beliebtheit des Lokals hinweist. Die langen Wartezeiten sind denn auch ein oft gehörter Kritikpunkt. Und tatsächlich dauert es vom Anstehen bis zum ersten Biss geschlagene 25 Minuten – Fast Food geht anders. Die Mehrheit der Wartenden besteht aus jungen Männern, oftmals in Handwerkerkluft. Hinter dem Tresen sind vier Mitarbeiter zugange, sie rollen im Akkord Fladenbrote zu Dürüms, füllen Taschenbrote mit Salat und Sauce, schneiden Kebabfleisch vom Spiess und wischen die wenigen Tische sauber. Und dann ist da noch Murat Eserti, der langjährige Betreiber des «Kübban». Tagein-, tagaus steht der ergraute Senior in seinem Laden, mit stoischer Ruhe nimmt er die Bestellungen entgegen und hat für jeden Kunden ein kurzes Lächeln übrig. Andere Menschen in seinem Alter geniessen längst den Ruhestand, doch er scheint sich hier noch immer wohlzufühlen.

Die Auswahl der Speisen unterscheidet sich zunächst nicht gross von anderen Döner-Läden: Kebab oder Dürüm, Lammfleisch oder Falafel, Börek oder Pide. Auffällig ist die Vielfalt an vegetarischen Optionen, so kann man sich das Taschenbrot mit Hummus, Grillgemüse oder dem zypriotischen Halloumi-Käse füllen lassen. Wer es dann endlich geschafft hat und an der Spitze der Schlange steht, muss zackig vorgehen. Die Bestellung abgeben, mit oder ohne Zwiebeln, mit oder ohne scharf, zum Mitnehmen oder Hier-Essen, das macht dann zehn Franken bitte. Die Wahl fällt auf Falafel-Tasche und klassischen Kebab (jeweils 8 Franken).

Ab dem ersten Biss zeigt sich der Unterschied zum 08/15-Döner: Im «Kübban» sind sowohl das knusprige Taschenbrot als auch das Fladenbrot hausgemacht. Die Saucen sind würzig und schmecken nicht wie andernorts nach Fertigware. Die heissen Falafel sind knusprig und kommen direkt aus der Fritteuse. Die Füllung der Vegi-Variante besteht nicht nur aus Salat, sondern enthält Weisskohl, grillierte Aubergine und Rucola. Nur die Pommes Frites im klassischen Kebab treffen wohl nicht jedermanns Geschmack.

Das Fazit der ganzen Runde fällt positiv aus. Ob die Kebabs hier nun aber wirklich die besten der Stadt sind, lässt sich schwer sagen. Dafür gibt zu viele andere Lokale, durch die man sich Durchprobieren müsste. Alle, die sich das nicht antun wollen, gehen lieber direkt zu Murat Eserti. Einen Punkt gilt es allerdings zu beachten: Für ein romantisches Tête-à-Tête ist das «Kübban» nicht die beste Wahl. Die Sauce tropft über die Finger, ein Klecks Hummus bleibt an der Nase kleben und als Souvenir bleibt eine Knoblauch-Fahne. Doch wer sich um Äusserlichkeiten schert, sollte dem «Kübban» sowieso eher keinen Besuch abstatten.

Info: «Kübban», Kanalgasse 35, Biel. Öffnungszeiten: Mo bis Mi 11 bis 21 Uhr, Do bis Sa 11 bis 22 Uhr, So geschlossen.

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«Kübban»

  • Karte: Von Kebab und Lahmacun über Falafel bis zu Börek und Pide gibt es alle Döner-Klassiker. Dazu Spezialitäten wie Halloumi-Tasche oder Hummus-Dürüm.
  • Preis: Günstig, alle Gerichte kosten zwischen 8 und 15 Franken.
  • Ambiente: Für einen gemütlichen Abend kommt niemand ins «Kübban». Drinnen ist es eng, draussen herrscht Verkehrslärm.
  • Aufgefallen: Der 30-Zentimeter-Mega-Dürüm für 15 Franken ist unverschämt gross. Normale Esser werden auch mit der Standard-Ausführung satt. cst

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Carmen Stalder

cstalder@bielertagblatt.ch

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