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Aus dem Grossen Rat

Wie politisch ist eine Wasserflasche?

Sind sie Ihnen auch aufgefallen? Die trendigen Wasserflaschen, die es in Deko-Shops und im Detailhandel überall zu kaufen gibt? Es gibt sie in allen Grössen und Farben. Im Winter als Isolierflasche, im Sommer mit Eiskühltasche.

Bild: Sandra Hess
 Grossrätin FDP

Sandra Hess


Es ist offensichtlich, Getränke selbst abfüllen ist nicht nur kostengünstig, sondern auch en vogue. Aber ist es auch ein politisches Statement? Es könnte eines werden. Jedenfalls für Verwaltung und Parlament.

In der Frühlingssession wird ein Vorstoss der Grünen behandelt, der verlangt, dass in den kantonalen Verwaltungs- und Parlamentsräumen nur noch Hahnenwasser statt Mineralwasser angeboten wird. Ziel dieses Vorhabens ist es, einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Die Herstellung von Mineralwasser verbraucht Energie. Es muss abgefüllt, verpackt und zum Kunden transportiert werden. Hahnenwasser sei im Kanton Bern überall von bester Qualität und eigne sich gut als Trinkwasser. Es leuchte nicht ein, warum teures und unökologisches Wasser in Flaschen zur Verfügung gestellt werden sollte, so die Begründung für den Vorstoss.

Das Berner Parlament könnte im Frühling also ein Zeichen setzen, als gutes Beispiel vorangehen und nur noch Hahnenwasser trinken (lassen). Stark wäre aber auch das andere Signal. Das Signal gegen die Mineralwasserproduktion. Und damit auch gegen das heimische Gewerbe in Adelboden, wo die einzige Mineralwasserquelle im Kanton Bern aus den Alpen sprudelt. Sowohl in Adelboden als auch in der ganzen Schweiz hängen Stellen von der Mineralwasserproduktion ab. Schweizweit sind es 20 000 Arbeitsplätze.

Trotzdem kann man etwas fürs Klima tun. Wer nur Schweizer Mineralwasser kauft, trägt viel zur Reduktion von langen Transportwegen bei. Aus ernährungstechnischer Sicht gäbe es sicherlich auch noch einiges zu sagen, so soll aufbereitetes Leitungswasser punkto Mineralstoffe und Spurenelemente nicht immer mit Mineralwasser mithalten können. Und geschmacklich ist Wasser auch nicht gleich Wasser.

Aber mal ehrlich, ist es Sache des Grossen Rates festzulegen, was in Verwaltungs- und Parlamentsräumen auf den Tisch, oder besser gesagt, in die Flasche kommt? Der Regierungsrat sagt klar Nein und lehnt den Vorstoss ab.

Ich werde das auch tun. Jede und jeder soll selbst bestimmen, mit welchem Wasser der Durst gelöscht wird. So bleibt auch die trendige Wasserflasche politfreie Zone.

kontext@bielertagblatt.ch

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