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Viren und Bakterien

Wie weit fliegt ein Nieser?

Wenn wir niesen oder husten, fliegen winzig kleine Tröpfchen durch die Luft. 
Aber wie weit fliegt so ein Nieser oder Huster eigentlich? Und warum niesen wir überhaupt?

Wissenschaftler haben herausgefunden: Nieswolken fliegen weiter, als bisher gedacht. Bild: Pixabay

Angelika Lensen

Habt ihr euch auch erkältet und liegt mit kratzendem Hals, verstopfter Nase und nervigem Husten im Bett? Das geht leider zur Zeit vielen Menschen so. Es herrscht wieder Schnupfenzeit und jeder niest und hustet so vor sich hin.

Warum müssen wir niesen?
Niesen ist ein Reflex. Die «Wächter» der Nase, die das Niesen auslösen, sind die Flimmerhärchen. Wenn winzig kleine Staubteilchen oder unsichtbare krankmachende Mikroorganismen wie Erkältungsviren unsere Nasenlöcher angreifen, versucht der Körper, die fiesen Eindringlinge mithilfe eines Niesers wieder nach draussen zu befördern. Aber auch so etwas Unschuldiges wie Sonnenstrahlen oder Pfeffer kann eine Schleimexplosion verursachen. Ein Niesanfall ist der äussere Verteidigungsring – so eine Art Ritterrüstung – unseres Körpers.

Fremdkörper, die nicht in die Nase gehören, schiesst der Körper mit einem gezielten Nieser von 65 Kilometern pro Stunde wieder heraus. Das Niesen wird durch eine Reaktion der Nasenschleimhaut verursacht – der feuchte Teil in den Nasenlöchern, der täglich einen Liter wässrigen Schleim produziert. Dieser Rotz oder Schnodder ist aber gesund, auch wenn es eklig klingt. Denn der Nasenschleim schmiert und reinigt das Innere der Nase, und der Luftdruck eines Niesers bläst ein Gemisch aus Schleim und winzig kleinen Teilchen aus dem Körper. Diesen Reflex lösen die Flimmerhärchen in der Nase aus. Sie aktivieren einen Nerv im Gesicht, den Trigeminusnerv. Der sendet ein Signal an das Niesreflexzentrum im Gehirn, das sofort einen Befehl an die Muskeln in Gesicht, Hals und Brust sendet: «Nies!».

Bei manchen Menschen löst sogar grelles Licht die Niesreaktion aus. Etwa jeder vierte Mensch erlebt das regelmässig, wenn er vom Dunkeln ins Helle oder in die Sonne geht. Wissenschaftler nennen das einen photischen Niesreflex. Sie wissen aber nicht, warum manche Menschen so reagieren, aber sie vermuten, dass sich die Nervensignale von Nase und Augen – der Nies- und der Pupillenreflex – vermischen. Die Nervenbahnen der beiden Reflexe liegen bei diesen Menschen so nah beieinander, dass die Signale durcheinanderlaufen.

Über ein halbes Fussballfeld
Jeder Nieser, egal ob durch Licht oder andere Reize ausgelöst, enthält winzige ansteckende Schleimtröpfchen. Auf diese Weise können sich Krankheitserreger von Mensch zu Mensch verbreiten. Im amerikanischen Massachusetts Institute of Technology (MIT) hat man sogar ein wissenschaftliches Modell eines Niesers entwickelt. Dabei stellte man fest, dass die Nieströpfchen nicht einzeln in alle Richtungen fliegen, sondern in einer Art «Nieswolke» zusammen reisen. Die Nieswolke kann die Tröpfchen sehr weit transportieren, fünfmal weiter als die Forscher bisher gedacht haben. Und je kleiner die Tröpfchen sind, desto weiter fliegen sie. Die Entfernung liegt zwischen fünf und 65 Metern, was ungefähr halb so gross ist wie ein Fussballfeld.

Steckt man sich beim Husten, Lachen oder Singen schneller mit den lästigen Schnupfenbazillen an? Das versuchten Wissenschaftler aus Singapur herauszufinden. Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass durch Pfeifen und Lachen Krankheitserreger am besten von Mensch zu Mensch befördert werden. Auch die Schutzmassnahmen wollen die Wissenschaftler noch untersuchen, denn je nach Tröpfchenwolke muss man sich vielleicht anders vor den Bazillen schützen, zum Beispiel mit Mundmasken, Taschentuch oder die Hand vor den Mund halten. Wenn man die Hand nimmt, sollte man auf jeden Fall nach dem Nies- oder Hustenanfall gründlich die Hände waschen, denn man weiss schon seit einiger Zeit, dass besonders die Schnupfenviren sich gerne über die Hände verbreiten.

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