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Musik

Seine 432 Hertz kommen von Herzen

Der Bieler Singer-Songwriter Sportelli veröffentlicht heute sein neues Album «Fear And Courage». Es ist zwar erst im zweiten Anlauf fertig geworden, erscheint dafür in der «Verdi-Stimmung».

Sportelli über sein neues Album: «Das bin zu 200 Prozent ich.» zvg/Anita Vozza
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"Words And Ways"

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Tobias Graden

Was hat der Bieler Singer-Songwriter Micha Sportelli, der sich als Künstler nunmehr Sportelli nennt, mit dem italienischen Komponisten Giuseppe Verdi zu tun? Empfindsame Gemüter werden es spüren, wenn sie Sportellis neues Album anhören. Sportelli hat nämlich ein neues Steckenpferd, doch davon später.

Er zeigt sich unverhüllt

Zuerst einmal ist da also ein neues Album. Es heisst «Fear And Courage», wer es zur Hand nimmt, dem sticht zuallererst das Coverbild ins Auge. Sportelli steht im Wald, furchtlos und mutig, nämlich unverhüllt. Man sieht ihn in kunstvoller Pose von hinten, wie eine barocke Jünglingsstatue balanciert er auf einem Baumstamm. Es ist ein programmatisches Sujet. «Ich war auf der Suche nach einem Kleidersponsoren», erzählt Sportelli, «fand aber keinen.» Also suchte er fürs Shooting einige Klamotten zusammen, ging mit Fotografin Anita Vozza in den Wald, probte Verschiedenes aus, nichts fühlte sich stimmig an. Dann der Geistesblitz: Nackt. Nackt ist das, was zu diesem Album passt, nichts sonst.
Das Bild symbolisiert, was Sportelli mit dem Album ausdrücken will:Er hat die letzten Hüllen fallengelassen, er zeigt sich ganz und wahrhaftig, und das bezieht sich nicht nur auf die Kleider. Vielmehr singt Sportelli auch in seinen Texten beispielsweise davon, dass zu einer besseren Welt nur beitragen könne, wer sich selbst liebe, wer zu sich selber gefunden habe. «Je besser ich mit mir selber ins Reine komme, desto mehr bin ich im Fluss», sagt Sportelli über den Song «Save The World By Loving Yourself».

Alles wieder verworfen

Der unbedingte Wille zur Wahrhaftigkeit lässt ihn bisweilen weite Wege gehen. So auch für diese Album: Es wurde erst im zweiten Anlauf fertig. Vor drei Jahren hat Sportelli mit den Arbeiten begonnen, hat Lieder aufgenommen, produziert und abgemischt, anderthalb Jahre lang. Dann hat er alles wieder verworfen: «Es ging  nicht in die Richtung, die ich mir vorgestellt habe. Der Sound war zu wenig rund, da war zu wenig Entwicklung zu hören, das war zu wenig ich.»«Extrem Mut» habe es gebraucht, das Material hinter sich zu lassen, und günstig war es auch nicht, alles nochmal von vorne aufzunehmen. Doch am jetzigen Resultat hat er grosse Freude: «Das bin zu 200 Prozent ich.»
Sportelli hat praktisch alles, was auf «Fear And Courage» zu hören ist, selber eingespielt. Ausnahmen sind das Cello, der Gastgesang von Rea Dubach und der Dammweg-Chor im Lied, das Sportelli für die Stiftung geschrieben hat. Wer Sportelli ab und zu hört, dem dürften einige Songs – etwa «Possession» oder «High Tide» – bekannt vorkommen. Sportelli spielt sie schon länger, auf einem Musikträger veröffentlicht wurden sie bislang aber noch nie.

Zauberhaft mit Dubach

«Fear And Courage» ist ein recht ruhiges Album geworden. Da und dort experimentiert Sportelli mit Beatboxing und etwas Elektronik, vorherrschend im Klangbild sind aber organische Klänge, langsame Tempi. Dubachs Gesang, Cello und schwer definierbare Geräusche verleihen dem Lied «High Tide»eine zauberhafte Stimmung.
Rockige Ausbrüche sucht man vergebens – diese spart sich Sportelli für die Konzerte auf, die er im Trio mit der Cellistin Lea Meier und der Schlagzeugerin Christine Wyder spielen wird. «Es war ebenfalls ein dreijähriger Prozess, bis ich diese Band gefunden habe», sagt Sportelli, «nun haben wir eine telepathische Beziehung auf der Bühne, das ist wirklich heftig.»
Womöglich trägt die spezielle Stimmung dazu bei: Sportelli und seine Mitmusikerinnen legen den Kammerton A nicht wie heute üblich bei 440 Hertz fest, sondern bei 432. Musik in dieser so genannten «Verdi-Stimmung» soll viel angenehmer, harmonischer sein für den Menschen. Das klingt esoterisch, doch soll beispielsweise auch Mozart darauf bestanden haben, dass seine Musik in dieser Stimmung dargebracht wird. Wenn Sportelli also ganz bei sich ist, ist er in guter Gesellschaft.

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