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Büren

Büren und der Gordische Knoten

Soll die Tagesschule in das Kocher-Büetiger-Haus einziehen? Oder soll ein Anbau an das Oberstufenschulhaus Platz für die Schulen schaffen? Die Ansichten der Parteien gehen weit auseinander.

Über das Schicksal des Kocher-Büetiger-Hauses entscheidet am Dienstag das Volk. Bild: Matthias Käser/a

Brigitte Jeckelmann

Am kommenden Dienstagabend wird das Bürener Stimmvolk entscheiden, wie die Politiker das Schulraumproblem lösen sollen: Wachsende Schülerzahlen lassen die Schule allmählich aus den Nähten platzen. Der Lehrplan 21 fordert zudem mehr Möglichkeiten für Gruppenarbeiten und somit auch zusätzliche Räume. In Büren wird es deshalb eng für Schüler. Besonders unbefriedigend ist derzeit die Lage der Tagesschulkinder: Sie bekommen ihr Mittagessen in der Mehrzweckhalle. Aufenthaltsräume hat es dort keine. Dafür müssen die Kinder in den Pavillon der Musikschule ausweichen.

Das mag vielleicht heute gerade noch angehen. Doch künftig erwartet Büren für die Tagesschule einen Raumbedarf für 80 bis 100 Kinder. Deshalb war schon für den Gemeinderat der Legislatur 2012 bis 2016 klar: Eine Lösung für die Tagesschule muss sofort her, den übrigen Schulraumbedarf kann man schrittweise danach immer noch planen. Das denkmalgeschützte Kocher-Büetiger-Haus auf dem Schulhausareal schien dem früheren Gemeinderat die ideale Lösung für die Tagesschule. Ein fixfertiges Umbauprojekt für 3,9 Millionen Franken wartet seit Herbst 2016 darauf, dass das Volk darüber abstimmen kann. Dazu soll es aber erst jetzt kommen (das BT berichtete).

Das baufällige Haus bewegte die Gemüter der Bürener vor zwei Jahren so stark, dass statt der üblichen paar Handvoll Bürger Massen an die Gemeindeversammlung strömten, die die Mehrzweckhalle nicht fassen konnte. Ein Verschiebedatum platzte und so kam es, dass sich der neu gewählte Gemeinderat ab Januar 2017 mit dem Thema auseinandersetzen musste.

Mehrere Varianten stehen zur Wahl
An einer Infoveranstaltung vor zwei Wochen präsentierte er dem Volk drei mögliche Varianten, die heftige Diskussionen auslösten (siehe BT vom 13. März). Variante zwei sieht vor, die Mehrzweckhalle zur Tagesschule umzubauen. Darüber regte sich das örtliche Vereinskartell auf, das in einer Resolution forderte: «Keine Umnutzung ohne brauchbare Alternative für die Vereine und die Öffentlichkeit.» Variante drei schliesslich schlägt einen Anbau an das Oberstufenschulhaus vor. Dieser würde sowohl den Ansprüchen einer Tagesschule genügen als auch die Möglichkeit für zusätzliche Schulzimmer schaffen, womöglich sogar auch noch für eine Aula. Denn in ganz Büren gibt es derzeit keinen geeigneten Ort für Aufführungen der Schüler. Kommt dazu: Es fehlt auch Raum für das Vereinsleben.

Auch wenn die Variante Mehrzweckhalle beim Volk keine Zustimmung findet; das Gebäude ist in die Jahre gekommen und muss auf lange Sicht entweder saniert oder ersetzt werden. Beim Kocher-Büetiger-Haus besteht nach Angaben des Gemeinderats ein Abrissverbot der kantonalen Denkmalpflege, ausser man würde das alte Haus durch einen ebenbürtigen Neubau ersetzen. Was tun mit dem Haus? Ein Verkauf dürfte schwierig werden. Zudem will man das Land nicht aus der Hand geben, da es zum Schulareal gehört.

Eine vertrackte Situation
Auch wenn sich die Stimmbürger für Variante zwei entscheiden, den Anbau an das Oberstufenschulhaus, wäre damit das Problem Kocher-Büetiger-Haus nicht gelöst. Eine vertrackte Situation. Gemeinderat Hans-Rudolf Meyer (FDP) sprach denn auch an der Infoveranstaltung von einem Gordischen Knoten, den es zu durchschlagen gelte. Obwohl die Kosten der einzelnen Varianten stark voneinander abweichen – die günstigste wäre der Umbau der Mehrzweckhalle –kostet Büren die gesamte Schulraumerweiterung auf lange Sicht rund 15 Millionen Franken. Dies ist das Ergebnis einer Basisanalyse aus dem Jahr 2013. Wofür also sollen sich die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger entscheiden? Darüber gehen die Meinungen der Ortsparteien weit auseinander. Konsens herrscht einzig darin: Eine Lösung muss her. Für die EVP scheint Variante eins, also das fertige Projekt zur Sanierung und zum Umbau des Kocher-Büetiger-Hauses, die beste. Dies aus zwei Gründen: «Der Planungsstand ist am weitesten fortgeschritten, sodass dieses Projekt am raschesten umsetzbar ist.» Zudem würde das Haus so einem sinnvollen Zweck dienen.

Andres macht klar, dass die EVP keine Geduld mehr hat für Verzögerungen: «Bei den beiden Alternativvarianten ist zeitlich nicht absehbar, wann sie realisiert werden können.» Für diese müsste zuerst ein entsprechendes Projekt ausgearbeitet werden, das wiederum einer späteren Gemeindeversammlung vorzulegen sei.

SVP will den grossen Wurf
Ähnlich argumentiert die SP. Auch sie favorisiert Variante eins. Zu den Begründungen von Kurt Andres fügt SP-Parteipräsidentin Margrit Widmer hinzu, es sei der erste Schritt einer längerfristigen, etappenweisen Planung. Zudem weist Widmer auf die Baufälligkeit des Kocher-Büetiger-Hauses hin: «Sollte das Dach wirklich zusammenfallen, so müssten wir ein altes Haus neu decken.» Dezidiert anderer Ansicht ist die SVP. Für Parteipräsident Pius Leimer stellt das vorliegende Projekt für das Kocher-Büetiger-Haus «ein zu enges Korsett» dar. Damit wäre lediglich das Problem Tagesschule gelöst. Für die weiteren notwendigen Schulzimmer und die Aula müsste man neue Projekte aufgleisen. Leimer plädiert für ein «strategisch weitsichtiges Denken». Daher denke die SVP «an einen grösseren Wurf» für die Zukunft: «Wir schlagen einen kompletten Neubau auf dem Platz des Kocher-Büetiger-Hauses vor.» Darin würden dann Tagesschule, weitere Schulzimmer und auch eine Aula Platz haben. Ein solches Projekt wäre dann zwar teurer, aber würde mehrere Probleme lösen.

Die FDP dagegen sieht es wieder anders. Parteipräsident Alex Grete sagt, man gebe Variante drei den Vorzug, also dem Anbau ans Oberstufenschulhaus. Diese Variante habe das Potenzial, «alles unter einen Hut zu bringen.» Zudem biete sie bautechnisch den grössten Freiraum und man bekomme für den Franken am meisten Gegenwert.

Info: Die ausserordentliche Gemeindeversammlung findet am Dienstag, 26. März, um 20 Uhr, in der Sporthalle statt.

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