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Grenchen

«Zaubertürmli» sucht einen Bewohner

Einst eine Trafostation, heute ein exklusives Häuschen zum Wohnen und Arbeiten an der Dammstrasse in Grenchen: Besitzer Kurt Brunner hat beim Umbau auf jedes Detail geachtet. Nun sucht er einen passenden Mieter.

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von Brigitte Jeckelmann
Kurt Brunner, pensionierter Unternehmer aus dem solothurnischen Lohn-Ammannsegg ist 66 und hat sich kürzlich einen Traum erfüllt: Er hat aus einer halb verfallenen Trafostation an der Dammstrasse in Grenchen mit Baujahr 1916 ein Häuschen gezaubert. Es ist dreigeschossig, mit einer Fläche von nicht einmal hundert Quadratmetern, mit Erker und Turm, vielen Rundungen und einem spitzen Dach mit braunen Ziegeln. Es braucht nicht viel Fantasie, um in dem Gebäude ein kleines Schloss zu sehen. «Zaubertürmli» steht denn auch auf einem der Tritte des Podests vor der Haustür. Trafostationen wandeln Strom von Hoch- zu Niederspannung für die Haushalte um (siehe Text rechts).


Der Detailversessene
Obwohl Brunner nicht vom Fach ist, hat er den Umbau selber geplant. Hat akribisch auf Details geschaut, Farben und Materialien aufeinander abgestimmt. So besteht nicht nur das Podest beim Eingang aus dem Naturstein Porphyr, sondern auch der Korridor und der Küchenboden im Erdgeschoss. Der grau-violette Ton des Porphyrs passt zum Grau der Küchenkombination mit Kochfeld, Backofen, Mikrowelle und Geschirrspüler. Griffe sucht man vergebens, Türen und Schubladen öffnen sich auf sanftes Antippen.
Eine Wendeltreppe aus Eichenholz führt in den ersten Stock. Das Parkett besteht wie auch der Boden des Raums im Dachstock aus demselben Eichenholz wie die Treppe. Der mittlere Raum erscheint gross, die Rundung des Erkers mit Fenster lädt ein, sich in einem Schaukelstuhl mit einem Buch davor zu setzen. Im Dachgeschoss erwartet den Besucher eine Überraschung: Gleich um die Ecke nach der Treppe hat Brunner eine Spiegelwand angebracht, und dahinter steht eine Badewanne.


Sich selber verwirklichen
Wendeltreppe und Badewanne sind sicher nichts für jemanden, der körperlich eingeschränkt ist. Aber Kurt Brunner hat beim Umbau auch nicht an andere gedacht, sondern «ich wollte mich verwirklichen», sagt er. Die Bauarbeiten planen, begleiten und manchmal auch selber Hand anlegen, «etwas Schönes» aus der ehemaligen Trafostation zu machen war sein Antrieb, selber darin wohnen wolle er nicht.
Das «Zaubertürmli» ist aber mit allem eingerichtet, was es dazu braucht: Neben dem Gäste-WC hat es ein zweites bei der Badewanne, ebenso ein Lavabo mit Spiegel und Stauraum für Toilettensachen. In der Rundung des Erkers hat Brunner in diesem Raum eine begehbare Garderobe eingerichtet. Passend zum Eingangsbereich und der Küche besteht der Boden der Nasszelle wiederum aus dem grau-violetten Porphyr. Auch der oberste Raum wirkt geräumig. Dies vor allem wegen seiner Höhe. Denn der Dachstuhl ist komplett offen.


Zwar steht das Häuschen zwischen Parkplätzen und der Strasse. Dennoch hat sich Brunner für den kleinen Umschwung etwas Spezielles ausgedacht. Vor dem Eingang stehen verzierte Poller, verbunden mit einer Kette, was den Eindruck eines herrschaftlichen Hauses vermitteln soll. Flache Stufen führen um das Gebäude herum, teils bedeckt mit Kieselsteinen, teils bewachsen mit einem grünen Moosteppich, der, so sagt Brunner, keine Pflege braucht, aber doch das Gefühl eines Gartens gibt. Platz für einige Liegestühle und ein Tischchen hat es allemal. Wer von Blicken abgeschirmt dort ein Buch lesen, mit Freunden etwas trinken oder einfach nur so daliegen möchte, kann einen Rollo vorziehen. Rund zwei Jahre lang hat der Umbau des Trafohäuschens zum «Zaubertürmli» gedauert. Nun ist es fertig und wartet auf seinen Bewohner. Kurt Brunner möchte es an jemanden vermieten, «der wie ich Freude am nicht Alltäglichen hat». Eignen würde sich das Türmchen kombiniert zum Wohnen und Arbeiten, meint Brunner: «Ich glaube, dass eine inspirierende Umgebung sich auch positiv auf die Arbeit auswirkt.» Für «um die 1500 Franken» pro Monat soll das «Zaubertürmli» zu haben sein. Ende Februar will er sein Häuschen an einem Tag der offenen Tür der Öffentlichkeit präsentieren (siehe Infobox). Den künftigen Bewohner wird er sorgfältig auswählen. Die «Chemie» müsse stimmen, sagt er. Lieber lasse er es leer stehen, als es mit ungutem Gefühl irgendjemandem zu überlassen. Er ist aber zuversichtlich, dass das Häuschen einen passenden Mieter bekommen wird, «der ebensoviel Freude daran hat wie ich».

Umbau stiess auf Interesse
Der pensionierte Unternehmer hat den ehemaligen Trafo vor mehreren Jahren im Internet entdeckt und war gleich fasziniert: «Ich wusste, daraus will ich etwas Besonderes machen.» Das leer stehende Gebäude gehörte damals noch der Stadt Grenchen, hatte einen blassgrünen Anstrich und war mit Schmierereien verunstaltet. Zuvor hatte es einer Tauchschule als Vereinslokal gedient und auch ein Zauberclub hatte darin seine Treffen abgehalten. Vor gut vier Jahren konnte Brunner es kaufen und fing an, Pläne zu zeichnen, reichte das Baugesuch bei der Gemeinde ein und konnte schon bald mit den Arbeiten beginnen. Der Umbau sei den Passanten aufgefallen. Fast täglich habe sich jemand erkundigt, was aus dem Häuschen werden solle. Auch auf den sozialen Medien stiess das «Zaubertürmli» auf Interesse, was Brunner auf zahlreiche Besucher am Tag der offenen Tür hoffen lässt.


«Zaubertürmli» Tag der offenen Tür

Am Samstag, 23. Februar, von 10 Uhr bis 14 Uhr, können interessierte Besucher das «Zaubertürmli» besichtigen.
Besitzer Kurt Brunner wird anwesend sein.
Das «Zaubertürmli» steht an der Dammstrasse 18 in Grenchen. bjg
Info:Wissenswertes über alte Trafostationen in der Schweiz unter www.swisstrafos.ch    oder im Buch «Trafoturm - Turmtrafo», Autorin Yvonne Scheiwiller, Verlag Triner, ISBN 978-3-908572-59-6      

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