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Biel

5000 Quadratmeter, dicht genutzt

Das Unternehmen Power Integrations Switzerland will im Bözingenfeld einen neuen Firmensitz erstellen. Innert fünf Jahren will es darin von 50 auf 80 Mitarbeiter anwachsen.

Sie stellten das Projekt vor: Thomas Simonis (Vizepräsident Power Integrations), Silvia Steidle (Finanzdirektorin), Erich Fehr (Stadtpräsident), Nik Liechti (Architekt, v.l.). copyright: peter samuel jaggi/bieler tagblatt
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Tobias Graden

«Wir platzen aus allen Nähten», sagt Thomas Simonis, «unsere Mitarbeiter können es kaum erwarten, in den neuen Räumen zu arbeiten.»Der Vizepräsident und Managing Director des Unternehmens Power Integrations Switzerland hat sein Team derzeit in drei Gebäuden verteilt, «das ist für die Zusammenarbeit und die Kommunikation nicht sehr förderlich».
Aus der früheren CT Concept entstanden, gehört Power Integrations seit 2012 zum gleichnamigen amerikanischen Konzern. Sie ist im Bereich der Leistungselektronik tätig und entwickelt Treiber für sogenannte Hochspannungs-IBGT-Transistoren. Diese kommen etwa zum Einsatz, wenn der Gleichstrom der Hochspannungsleitungen in den Wechselstrom im Netz umgewandelt wird. Grob gesagt: Je effizienter diese Treiber arbeiten, desto weniger Energie geht dabei verloren. Produkte von Power Integrations kommen aber auch in Lokomotiven, Solaranlagen, Windgeneratoren und zunehmend im Bereich der Elektromobilität zum Einsatz. Diese Märkte und Tätigkeitsfelder versprechen weiteres Wachstum:In fünf Jahren will Power Integrations nicht wie heute 50, sondern 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigen.

Parkplätze im UG

Darum will das Unternehmen einen neuen Firmensitz bauen. Zu stehen kommen soll dieser im Industriegebiet Bözingenfeld am Längfeldweg 91, wie an der gestrigen Medienkonferenz zu erfahren war. Das von Architekt Nik Liechti (GLS Architekten) vorgestellte Projekt sieht ein viergeschossiges Gebäude mit einer Grundfläche von 20 auf 50 Metern und einer Höhe von 17 Metern vor. Das ergibt eine Bruttogeschossfläche von 5000 Quadratmeter. Die Parkplätze sind ins UGverbannt, die Ausnutzungsziffer der Parzelle beträgt 1,5. Das ist laut Liechti eine hohe Dichte, höher als in der Innenstadt.
Die effiziente Nutzung des Bodens hat ihren Grund: Die Stadt Biel ist bestrebt, aus den verbleibenden Flächen im Bözingenfeld, die in ihrem Besitz sind und für Ansiedlungsprojekte in Frage kommen, möglichst viel herauszuholen – also Firmen mit möglichst hoher Wertschöpfung zum Zug kommen zu lassen. «Wir stellen dort keine Lagerhallen hin», pflegt Stadtpräsident Erich Fehr (SP) zu sagen. Das Neubauprojekt ist denn auch zusammen mit der Stadt entwickelt worden. Der Neubau wird nicht die ganze Parzelle beanspruchen, die Restparzelle ist jedoch über die selbe Erschliessung angeschlossen. Power Integrations hat für die restliche Fläche ein Vorkaufsrecht über die nächsten fünf Jahre.

Keine strategische Reserve

Die städtische Bodenpolitik besteht  seit langem darin, dass strategische Grundstücke nicht verkauft, sondern im Baurecht abgegeben werden. In diesem Fall ist das anders. Die Stadt will das Land an das Unternehmen verkaufen, über das Geschäft wird der Stadtrat am 21. Februar befinden.
Diskussionen und Kritik von linker Ratsseite dürften nicht ausbleiben. Doch für Stadtpräsident Fehr und Finanzdirektorin Silvia Steidle (PRR) bedeutet der Landverkauf keine Abkehr von der bisherigen Bodenpolitik, gehöre doch die besagte Parzelle anders als beispielsweise das Land nördlich der Tissot Arena eben nicht zu den strategischen Reserveflächen: Die Parzelle ist klein, und die Nachbarparzelle befindet sich auch nicht im Besitz der Stadt, sondern der Swatch Group. Ein Verkauf sei darum vertretbar. Wie Thomas Simonis bestätigt, kommt für Power Integrations zudem nur ein Kauf in Frage. Leichtfertig gibt Biel das Land jedenfalls nicht ab:Die Verhandlungen mit der Stadt seien «hart, aber fair» gewesen, so Simonis.

Ein neues «Sonderkässeli»

Verkauft werden soll das Land zu einem Preis von 400 Franken pro Quadratmeter. Laut Silvia Steidle ist dies der übliche Preis für Boden im Bözingenfeld, für die Restparzelle gelten die selben Konditionen. Von den total 6780 Quadratmetern werden vorerst 3719 verkauft. Bei Einnahmen von knapp 1,5 Millionen Franken resultiert nach Abzug der Erschliessungskosten für die Stadt ein Buchgewinn von etwas über 750000 Franken. Dieser wird einer neu zu schaffenden Spezialfinanzierung «öffentliche Infrastruktur im Bözingenfeld» zugewiesen. Dasselbe wird für den Buchgewinn des Verkaufs im zweiten Schritt gelten. Aus diesem «Sonderkässeli» sollen Sport- und Freizeitanlagen sowie Grünzonen für die Öffentlichkeit im Bözingenfeld finanziert werden, darunter eine multifunktionale Sporthalle und eine Parkanlage.
Die Parzelle ist derzeit nicht leer. Zum Längfeldweg hin besteht ein altes, grossteils leerstehendes Garagengebäude, an das ein Parkplatz-Areal angrenzt. Nördlich davon hat sich seit 2010 das Kollektiv Escargot Noir niedergelassen, das dort ähnlich wie die Schrottbar in einer kleinen Wagensiedlung lebt. Dieses ist informiert worden, dass es den Platz bald verlassen muss.

Bezug im Frühsommer 2021

Laut Thomas Simonis möchte Power Integrations am liebsten «sofort»mit Bauen beginnen. Doch ganz so schnell wird es auch im Idealfall nicht gehen. Das Baugesuch ist vorbereitet und eingabebereit, Architekt Liechti rechnet mit einer Bearbeitungszeit von sechs Monaten. Im Sommer könnte dann der Start des Rückbaus erfolgen, ab Herbst würde mit dem Neubau begonnen.
Für die Bauzeit rechnet er 18 Monate ein, der Bezug wäre somit im Frühsommer 2021 möglich. Genaue Zahlen gibt Power Integrations nicht bekannt, doch Simonis sprach am Rande der Pressekonferenz von Investitionen «im zweistelligen Millionenbereich», welche die Firma für das Projekt tätige.

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