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Court/Bévilard

Bereits grösser als vor dem Brand

Im Juni 2017 wurde das bernjurassische Unternehmen Tectri SA durch eine Feuersbrunst zerstört. Heute entwickelt es sich wieder vielversprechend.

Der neue Standort: Im Erdgeschoss arbeiten bereits wieder 24 Maschinen, im ersten Stockwerk wird die Verwaltung einziehen. Bild: ds

Dan Steiner/pl

Der 23. Juni 2017 sollte in Court ein Festtag werden. Die Betreiber der Bierzelte legten an diesem Vormittag letzte Hand an, bevor die ersten Gäste ins bernjurassische Dorf strömten. Aber gegen 11 Uhr kam Feueralarm: Das Hightech-Unternehmen Tectri SA am andern Ende der Ortschaft stand in Flammen.

Die Firma stellt unter anderem Präzisionsteile für die Medizintechnik her. «Das Warten auf die Feuerwehr erschien uns wie eine Unendlichkeit», erinnert sich Christophe Schindler, der Hauswart von Tectri. Aber er räumt auch ein, dass die Rettungsdienste am Ende schnell zur Stelle waren.

Alle Maschinen zerstört
Als Erstes galt es, die Belegschaft von rund 35 Mitarbeitenden zu evakuieren. Das Dach stand schon im Flammen. Ein Handwerksbetrieb war dort mit Dichtungsarbeiten beschäftigt gewesen. Alle Personen konnten das Gebäude verlassen und blieben unversehrt.

Als das Gebäude in Vollbrand stand, war die Führungscrew von Tectri SA gerade an der Präzisionsmesse EPHJ in Genf. Fabien Bouduban, der Geschäftsführer, hielt sich in den Vereinigten Staaten auf. «Wir wollten unbedingt noch eine oder zwei Maschinen aus dem Gebäude retten, aber schliesslich mussten wir hilflos zusehen, wie alle unsere 37 Bearbeitungsautomaten ein Raub der Flammen wurden», sagt Schindler und fügt an: «Ja, wir waren sehr traurig, aber es machte sich keine Resignation bei den Betroffenen breit.»

Neustart nach zwei Wochen
Anderthalb Jahre sind seit dem Unglück vergangen. In Court laufen heute wieder sechs Maschinen. Und am neuen Standort in Bévilard, wohin die Firma nur zwei Wochen nach dem Brand umzog, wird wieder auf vollen Touren produziert. Tatsächlich war die Leitung von Tectri beherzt zur Sache gegangen, wie Jean-Pascal Wisard, der Finanzchef des Unternehmens bestätigt: «Zwei Tage nach der Unterschrift des Kaufvertrags für die neuen Räumlichkeiten waren die ersten zwei Maschinen eingerichtet und nahmen die Produktion auf.»

Im Erdgeschoss, wo die Fertigung untergebracht ist, laufen heute 24 Maschinen. Der erste Stock wird noch ausgebaut. Ein zusätzliches Stockwerk wird die Cafeteria, die Verwaltung und einen Teil des Controllings beherbergen. Dieses Vorhaben soll schon im Sommer fertiggestellt sein.

Rückblickend meint Jean-Pascal Wisard, der seit 2014 für Tectri tätig ist: «Vor dem Brandschaden war unsere Firma im Aufwind. Heute haben wir immerhin wieder Rückenwind, aber wir wissen noch nicht, wie viel Energie wir durch das Unglück verloren haben.» Tatsächlich hätte Tectri SA vor dem Zwischenfall das Potenzial gehabt, einen stärkeren Wachstumskurs mit neuen Projekten einzuschlagen.

Kundschaft hielt die Treue
Wie sich das Unternehmen entwickelt hätte, ist nun eine müssige Frage. Sicher ist: Die zerstörte Produktionsfläche von 1100 Quadratmetern in Court wurde inzwischen durch eine halb so grosse Fläche in der Industriezone von Bévilard ersetzt. Und Tectri erweist sich auf dem Rückweg in die Normalität als unerschütterlicher Player. Diese Entschlossenheit wurde prompt von den Geschäftspartnern belohnt, wie Tatiana Schaller, Personalverantwortliche und Assistentin der Direktion von Tectri SA erklärt: «Alle Kunden haben uns die Treue gehalten.» Diesem Vertrauen konnte das Unternehmen seinersseits gerecht werden, denn «die Aufträge wurden fristgerecht ausgeführt», so Schaller. Heute beschäftige Tectri bereits über 40 Mitarbeitende – mehr als vor dem Brandfall. Zudem habe das Unternehmen eine überwältigende Zahl an Solidaritätsbekundungen von Konkurrenten, Behörden und Anwohnern erhalten: «In der ersten Woche nach der Katastrophe sind 700 bis 800 Zuschriften bei uns eingegangen», erinnert sich Schaller.

Nun widmet sich Tectri mit voller Energie der Renovierung und dem Ausbau des Standortes Bévilard. «Nachher werden wir uns um das Werk in Court kümmern», versichert die Direktionsassistentin. Schliesslich stammten die Boudubans – die Besitzerfamilie von Tectri SA – aus Court, und deshalb liege ihnen der Wiederaufbau des Stammhauses am Herzen. Jedenfalls sei das Projekt bereits in Bearbeitung. Mehr will Schaller noch nicht verraten.

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