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Delma

Lengnauer KMU macht 
eine gute Figur auf dem grossen Parkett

Die kleine Uhrenherstellerin aus Lengnau bestätigt sich zu ihrem 95-Jahr-Jubiläum als Meisterin der Tiefsee.

Mit der Blue Shark ||| dokumentiert die Uhrenmarke Delma ihre technische Kompetenz bei der Entwicklung und Herstellung von Taucheruhren. Bild: zvg

Philippe Oudot/pl

Dieses Jahr feiert die Uhrenherstellerin Delma ein doppeltes Jubiläum: Zum einen wird die Lengnauer Marke 95 Jahre alt, und zum anderen stellte Delma vor 50 Jahren ihre erste Taucheruhr vor. Zur Feier dieses doppelten Jahrestages präsentiert die Marke ihr neues Spitzenmodell Blue Shark III, eine Taucheruhr, die ozeanische Tiefen bis zu 4000 Metern heil übersteht.

Andreas Leibundgut, der Marketingchef des Familienunternehmens, sagt dazu: «Im Jahr 2011 hatten wir die Blue Shark I lanciert, die bis zu 3000 Meter Tiefe zertifiziert ist. Mit unserem neuen Modell setzen wir abermals einen neuen Standard in dieser Kategorie.» Tatsächlich ist die Blue Shark III ausserordentlich robust: Damit die Uhr dem Tiefendruck von 400 Bar standhält, verfügt sie über eine Schale aus Edelstahl und ein Saphirglas von etwa 7 Millimetern Dicke. Nach dem Tauchgang sorgt ein Heliumventil während des Aufenthalts in der Dekompressionskammer für den Druckausgleich im Innern der Uhr.

Spiegelbild der Alpen
Obwohl die Blue Shark III 1000 Meter tiefer als das Vorgängermodell tauchen darf, sind die Masse der Uhr unverändert geblieben. Diese Leistung konnte allein durch Verbesserungen an der Uhrenschale erreicht werden. «Die Entwicklung der Blue Shark dokumentiert die technische Kompetenz von Delma auf dem Gebiet der Taucheruhren», bekräftigt Andreas Leibundgut. Dass die Uhr ausgerechnet für eine Tiefe von 4000 Metern ausgelegt wurde, spannt einen symbolischen Bogen zur Schweizer Alpenwelt und deren Viertausendern. «Von unserem Firmensitz in Lengnau aus blicken wir auf mehrere dieser Berge am Horizont», scherzt denn auch Leibundgut.

Die Blue Shark III wird in zwei Serien angeboten, die auf 500 Stück limitiert sind. Der Drehkranz aus Edelstahl ist wahlweise mit schwarzem Kohlenstoff (DLC) beschichtet. Zur Auswahl stehen drei Zifferblätter in Blau, Orange oder Schwarz.

Delma begann 1969 mit der Herstellung von Taucheruhren. Die erste Kollektion mit dem Label Périscope wurde 1975 durch die Modellreihe Shell Star erweitert. 2016 wurde die Produktion der Shell Star in neuem Design und unter Verwendung der modernsten Uhrentechnik wieder aufgenommen.

Die Taucheruhren begründen zweifellos einen wesentlichen Teil des Prestiges von Delma. Aber daneben fertigt das Unternehmen klassische Zeitmesser mit mechanischen und elektronischen Uhrwerken. Die Damenmodelle sind vorwiegend mit Quarzwerken ausgestattet. Zudem entwickeln und produzieren die Lengnauer auch Uhren für Drittkunden im sogenannten Private-Label-Bereich. Dieser Geschäftszweig umfasst rund ein Drittel der Jahresproduktion von 30 000 bis 40 000 Uhren.

Für das Design der Modelle ist Fred Leibundgut, Firmenchef und Vater von Andreas, zuständig. Die Prototypen der neuen Uhren lässt Delma von einem Partner herstellen, und die Komponenten der Zeitmesser werden bei Zulieferern bezogen. Das gilt besonders für die Uhrwerke, die alle von Schweizer Herstellern stammen. «Wir fügen die Uhren zusammen, schalen sie ein und führen die Endkontrolle durch», erklärt Andreas Leibundgut.

Mit ihrem Schwergewicht auf Sport- und Taucheruhren spricht Delma vor allem eine männliche Kundschaft an. Diese Zeitmesser sind zu 60 Prozent mit mechanischen Uhrwerken ausgerüstet; für den Rest werden Quarzwerke verwendet. Das Spitzenmodell Blue Shark III gibt es selbstverständlich nur mit mechanischem Antrieb.

Ob im Herzen der Uhr eine Unruh schlägt oder ob ein Quarzkristall den Takt vorgibt, hänge von den verschiedenen Märkten ab, erklärt Leibundgut: «Im Mittleren Osten und in den Golfstaaten, wo wir gut vertreten sind, verlangen die Kunden nach Quarzuhren. In Deutschland ist es genau umgekehrt, denn dort kommt nur ein mechanisches Werk infrage.»

Vorderasien bildet den historischen Kernmarkt des Uhrenherstellers aus Lengnau. Aber die politischen und wirtschaftlichen Umwälzungen der letzten Jahre haben Delma bewogen, den Vertrieb ihrer Produkte zu diversifizieren: «Wir entwickeln unsere Präsenz in Fernost, insbesondere in Singapur und Hongkong.» Auch in Europa zeigt die Marke seit 2018 auf dem Schweizer Markt und in Italien Flagge. Dabei arbeitet Delma enger als früher mit Uhrenhändlern zusammen: «Auf diese Weise behalten wir die Übersicht und sind besser in der Lage, jene Shops auszuwählen, mit denen wir eine Partnerschaft eingehen möchten», so Leibundgut.

Neu im eigenen Land
Bisher war Delma nicht auf dem Schweizer Markt vertreten. Grund dafür war die Rücksichtnahme auf eine grosse Handelskette, die ihre Zeitmesser beim Lengnauer Unternehmen unter einem privaten Label herstellen lässt. Aber heute sei diese Situation überholt, findet der Marketingchef von Delma: «Die Schweiz zieht viele Touristen aus Asien und dem Mittleren Osten an. Unsere Marktpräsenz im eigenen Land gehört zur Imagepflege.»

Allerdings sei der Schweizer Markt grundsätzlich schwieriger geworden: Die grossen Marken haben ihren Vertrieb auf eigene Flagship-Stores verlagert. Aus diesem Grund würden immer mehr Fachgeschäfte, die bisher verschiedene Marken vertraten, vom Markt verschwinden. «Immerhin haben wir schon acht tüchtige Handelspartner gefunden. Ideal wären zwanzig Standorte», wünscht sich der Juniorchef von Delma.

Das Unternehmen am Jurasüdfuss blickt auf ein gutes Geschäftsjahr 2018 zurück. Klar wünscht man sich die Fortschreibung der Erfolgsgeschichte. Allerdings sprechen die Wolken am Konjunkturhimmel eine andere Sprache: der ungewisse Ausgang des Brexits, die wirtschaftlichen Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und China, die Zukunft der Beziehungen der Schweiz zur Europäischen Union. All diese Unsicherheiten sind nicht geeignet, die Nachfrage zu beflügeln. Das gilt in besonderer Weise für den kleinen und unabhängigen Hersteller aus Lengnau.

Am Rand der Baselworld
Delma war bisher regelmässig an der Basler Uhrenmesse präsent. Aber diesmal empfängt die Marke ihre Kunden in einem nahegelegenen Hotel. Andere Hersteller haben der Messe ebenfalls den Rücken gekehrt. «Die Preise für einen Stand sind zu teuer geworden», stellt Leibundgut fest. Er schliesst aber eine Rückkehr in die Basler Hallen nicht aus, «sofern die neue Messeleitung zu einer vernünftigen Preispolitik zurückkehrt». Trotz allem sucht sich Delma auch andere Kanäle für die Vorstellung neuer Produkte: «Wir planen dafür besondere Events.»

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