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Finsterhennen

«Wir leisten gemeinnützige Arbeit»

Die Bio-Imkerei Hunzinger ist eine der wenigen professionellen Imkereien in der Schweiz. Nun wird ihr der Platz zu knapp. Für das neue Betriebsgebäude startet sie ein Crowdfunding mit ambitioniertem Ziel.

Kornelia und Martin Hunzinger in den engen Räumen ihrer Imkerei. copyright: raphael schaefer

Tobias Graden

Ende Januar, Temperaturen um die Null Grad, Niederschlag: Es herrschen dieser Tage nicht gerade jene Bedingungen, die einen an den Frühling und eine Vegetation in voller Blüte denken lassen. Wenn in Finsterhennen etwas herumfliegt, sind es derzeit Schneeflocken, nicht Bienen.
Doch Kornelia und Martin Hunzingers Gedanken drehen sich auch jetzt um die Bienen. Schliesslich sind sie Berufsimker, sie gehören damit einer seltenen Spezies an. Während es in der Schweiz gegen 20000 Imkereien gibt, sind jene Betriebe, welche die Imkerei professionell betreiben, wohl an maximal zwei Händen abzuzählen. 160 Wirtschaftsvölker und weitere 40 für die Königinnenzucht umfasst Hunzingers Bienenbestand mittlerweile, das ergibt eine Ernte von etwa fünf Tonnen Honig pro Jahr.  

60 plus 60 gibt 100...

Dabei war die Imkerei für Martin Hunzinger lange ein Hobby, das er seit den frühen 80er-Jahren betrieben hatte. Er arbeitete zu 100 Prozent als Schreiner, pflegte einen «Pflanzblätz» und schaute zu den Bienen. Doch in den Nullerjahren wurde dies alles zu viel Arbeit, und er reduzierte das Pensum im angestammten Beruf. «Ich habe immer erzählt: 60 Prozent Schreiner und 60 Prozent Imker, das gibt zusammen 100 Prozent», sagt Martin Hunzinger, wissend, dass auch die korrekte Summe den tatsächlichen Arbeitsanfall nur ungenügend abbildet. Jedenfalls kam die Familie 2013 zum Schluss, ganz auf die Imkerei zu setzen.
Doch Infrastruktur des Betriebs ist höchst beengt. Die Bienenkästen sind natürlich übers Land verteilt, doch sämtliche Infrastruktur mit Lager und Abfüllanlage ist im Untergeschoss des Einfamilienhauses untergebracht. Geschleudert wird der «Hungg», wie Martin Hunzinger den Honig nennt, in der Waschküche, ans Etabli mit der Abfüllanlage kann sich gerade mal eine Person aufs mal zwängen. Kurz:Allenthalben wurde es zu eng. «Wir merkten:Entweder verkleinern wir die Imkerei wieder auf Nebenerwerbsniveau, oder wir müssen richtig ausbauen», sagt Kornelia Hunzinger.

Keine Subventionen

Die Familie hat sich dazu entschieden, zweiteres in Angriff zu nehmen. Denn der älteste Sohn Boas, 22 Jahre alt, kann sich gut vorstellen, die Imkerei dereinst zu übernehmen. Nach langer Suche und mit Hilfe der Gemeinde fanden Hunzingers ein geeignetes Grundstück am Höchiweg. Dort wollen Hunzingers ein neues Betriebsgebäude bauen, mit einem ausreichend gekühlten Lagerraum, genügend Platz für die Honigverarbeitung, einer Werkstatt und einem Gemeinschaftsraum. Dort sollen sich Imker zu Schulungen treffen oder sich Schulklassen einfinden können, um mehr über Bienen und die Imkerei zu erfahren.
Das kostet. Um die 2,2 Millionen Franken sind insgesamt veranschlagt. Bislang haben Hunzingers es immer so gehandhabt: zuerst erwirtschaftet, dann erweitert. «In der Imkerei stecken keine Schulden», betont Martin Hunzinger. Aber für die jetzt anstehende Investition reicht das nicht aus, und die angefragten Banken zeigten sich skeptisch. «Sie verlangten einen Businessplan», sagt Hunzinger, «ich musste mich erst mal schlau machen, was das ist.» Seitens diverser Stiftungen war das Echo ebenfalls verhalten. Und erschwerend kommt hinzu, dass der Imker in der Schweiz – anders als in den umliegenden Ländern – nicht als Landwirt zählt und darum vom hiesigen Subventionssystem ausgeschlossen ist.

Mit gutem Beispiel voran

Mittlerweile steht er, der Businessplan. Berater des Inforamas in Ins haben geholfen, ihn zu erstellen. Es steht auch die genaue Rechnung. Sie zeigt: Den Hunzingers fehlt eine halbe Million Franken. Hunzingers starten darum morgen ein Crowdfunding. Sie verstehen es nicht als Bettelei, sondern argumentieren, dass die Imkerei für die ganze Umwelt Nutzen stifte: «90 Prozent der Arbeitsleistung der Bienen ist die Bestäubung, 10 Prozent schöpft der Imker in Form von Honig ab», sagt Kornelia Hunzinger, «im Prinzip leisten wir also gemeinnützige Arbeit.»
Die Imkerfamilie hofft, dass das gesteigerte Interesse an der Bienengesundheit und im breiteren Verständnis an einer ökologischen Landwirtschaft ihrem Anliegen Schub verleihen möge. Martin Hunzinger hat die Imkerei schon vor Jahren auf die Bio-Richtlinien umgestellt:«Wir wollen mit gutem Beispiel vorangehen.» So verwendet er beispielsweise keine synthetischen Mittel im Kampf gegen die Varroa-Milbe, und er stellt sicher, dass seine Bienen mindestens zur Hälfte in Perimetern tätig sind, wo Bio-Landwirtschaft betrieben wird. Dazu «wandert» er mit den Bienen in der ganzen Schweiz herum, stellt sie in Absprache mit den Imkern vor Ort auf den Sustenpass oder in Kastanienwälder im Tessin – denn im Seeland mit seiner überaus intensiven Landwirtschaft ist die Blütezeit sehr kurz.
Das Funding-Ziel ist ambitioniert, die Schwelle liegt bei 250000 Franken. Wird so viel gesammelt, kommt das Projekt in etwas reduzierter Form gleichwohl zustande. Den Hunzingers aber ist klar:«Wir können jeden Rappen brauchen.»


Info: Aktionstag zum Start des Crowdfundings morgen Samstag ab 11 Uhr, im Schulhaus, Dorfstrasse 19, Finsterhennen. Es gibt Referate, Filme, Bienen-Quize, Kinderprogramm und Verpflegung. Link zum Crowdfunding (ab morgen etwa 10 Uhr aktiv): www.funders.ch/projekte/bioimkerei
 

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