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Judo

Freudige Rückkehr in die Heimat

Lena Göldi hat ihre Trainerstelle beim Deutschen Judobund gekündigt. Seit Anfang Jahr arbeitet die Seeländerin am Baspo in Magglingen für das Sportförderungsprogramm «Jugend + Sport».

Zurück in Magglingen: Lena Göldi auf der grossen Terrasse des Bundesamts für Sport. Beim Baspo kümmert sie sich um das J+S-Sportförderungsprogramm./Copyright: Nico Kobel/Bieler Tagblatt

Francisco Rodríguez

Für Lena Göldi ist ein weiterer erfahrungsreicher Lebensabschnitt zu Ende gegangen. Seit 2014 war die Seeländerin beim Deutschen Judobund als Bundestrainerin der U18-Frauen angestellt. «Dieser Trainerjob hat mir sehr gut gefallen», erzählt Göldi. «Es war schön, junge Menschen auf ihrem Weg zu begleiten. Speziell in dieser Altersklasse von 14 bis 17 Jahren passiert sehr viel in der Persönlichkeitsentwicklung.»

Göldi stand ihren Judokas nahe, betreute sie im Training und an den Kämpfen und teilte mit ihnen Freude und Enttäuschung. «Ich habe viele Emotionen als Athletin und als Trainerin erlebt», sagt Göldi, die in ihrer früheren Aktivkarriere unter anderem Vize-Europameisterin wurde, sich für die Olympischen Spiele 2004 in Athen qualifizierte, dort aber wegen eines Kreuzbandrisses jäh aus ihren Medaillenträumen gerissen wurde. «Man lebt diese grosse Leidenschaft, bei Siegen und auch bei Niederlagen.» Sie habe den jungen Kämpferinnen ihre Erfahrung weitergeben können.

«Mein soziales Leben kam zu kurz»

Ende 2018 zog sie doch eher überraschend einen Schlussstrich unter ihre Trainerkarriere beim Deutschen Judobund und kündigte, obwohl der Olympiazyklus bis Tokio 2020 dauert. «Die Arbeit war ja schon sehr spannend, wegen der vielen Reisen allerdings auch anstrengend.» Göldi zählte mal nach und kam auf 33 Wochenenden im Jahr, an denen sie mit den Judokas unterwegs war. Viele Trainings und Termine waren am Abend. «Ich wurde langsam müde und merkte immer mehr, dass mein soziales Leben zu kurz kam.» Deshalb reifte bei der Seeländerin der Wunsch nach einer Rückkehr in die Schweiz.

Die Kontakte zum Seeland und zu Magglingen blieben ihr über die Jahre erhalten. «So kam auch eine interessante Stellenausschreibung bis zu mir.» Göldi beworb sich beim Bundesamt für Sport Baspo in Magglingen und erhielt den Job. «Es ist für mich ein Heimkommen. Hier in Magglingen habe ich früher Judo trainiert, mein Sportstudium gemacht und gewohnt.» Göldi blickt von der tief verschneiten grossen Terrasse des Baspo aus in die Ferne. Die Sonne scheint auf Magglingen, über dem Seeland liegt leichter Dunst. Ein Gefühl der tiefen Verbundenheit umgibt Göldi. «Ich kenne hier viele Leute von früher her, ich habe aber auch neue Gesichter gesehen.»

Von der Matte an den Bürotisch

Neu ist für sie der Job im Büro. Seit Anfang Jahr arbeitet Göldi als Leiterin Ausbildung J+S-Kampfsport. Die 39-jährige Seeländerin ist Ansprechperson für die J+S-Verantwortlichen in den Sportverbänden Judo, Karate, Ringen, Schwingen und Nationalturnen. «Ich unterstütze und berate die J+S-Ausbildungsverantwortlichen beziehungsweise die Sportarten in strukturellen, inhaltlichen und didaktischen Fragestellungen und Bereichen», fasst sie ihr Aufgabenspektrum zusammen. «Es ist schön, mal andere Sportarten kennenzulernen», sagt die Baspo-Angestellte. Bereichernd sei es für sie auch, nach dem Leistungssport sich nun für die breite Basis einzusetzen.

Heimelige Wohnung in Nidau

Dass sie nach der langen Zeit in der Praxis heute vorwiegend am Bürotisch sitzt, sei zwar schon gewöhnungsbedürftig. Die Arbeit sei aber sehr interessant. Daneben geniesst sie die neuen Freiheiten, die ihr die geregelten Arbeitszeiten ermöglichen. «Ich kann nun am Abend etwas abmachen», erzählt sie. «Nachdem ich vom First Friday in der Bieler Altstadt gehört hatte, erlebte ich ihn endlich selber einmal. Am Samstag war ich zudem im Kreuz Nidau an einem Konzert.» Göldi hat im Nidauer Stedtli eine heimelige Wohnung bezogen. Zuvor hatte sie in Magglingen eine neue Bleibe gesucht, jedoch nichts gefunden. Die räumliche Trennung zwischen Arbeits- und Wohnort sei letztlich gar nicht so schlecht, um am Abend besser abzuschalten. «Früher in Magglingen musste ich mich sehr aufraffen, um mal nach Biel zu gehen.»

«Hier oben wird der Sport gelebt»

Der Sport bleibt ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens. Die Philosophie am Baspo deckt sich mit ihrer Grundhaltung. «Hier oben wird der Sport gelebt», sagt Göldi. «Das fängt schon mit dem Arbeitsweg an, den wir manchmal gemeinsam auf dem Mountainbike oder zu Fuss bestreiten. Am Mittag gibt es ein breites Angebot an Trainingsmöglichkeiten.» Sei es in geleiteten Trainings und Kursen oder mit Individualsport. Göldi schliesst nicht aus, in Zukunft wieder Judotrainings zu leiten. «Zuerst will ich mich aber in meiner neuen Stelle vertieft einarbeiten», so Göldi, die glücklich ist, wieder in ihrer alten Heimat zu sein.

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Lena Göldis Werdegang

• Geburtsdatum: 1. Oktober 1979
• Wohnort: Nidau, aufgewachsen in Safnern.
• Karriere: Mit fünf Jahren tritt Göldi der Judoschule Samurai Biel bei, wechselt sechs Jahre später zum Judoclub Nidau und bestreitet von da an Turniere. Aufnahme ins Talentkader, später ins Schweizer Nationalkader. Sie ist eine der Kämpferinnen im langfristigen Olympiaprojekt des damaligen Schweizer Nationaltrainers Leo Held in Magglingen, 2008 Rücktritt vom Aktivsport. Studium der Sportwissenschaften an der Eidgenössischen Hochschule für Sport in Magglingen mit dem Bachelor abgeschlossen. Diverse berufliche Tätigkeiten, zwei Saisons Skilehrerin in Davos, Stellvertretungen als Sportlehrerin, Personaltrainerin bei der Firma Tatkraft-Werk, 25-Prozent-Pensum beim Schweizerischen Judoverband im Bereich Kindersport, Judotrainings beim JC Biel-Nidau, danach vom 1. März 2014 bis Ende 2018 Vollzeitstelle als Bundestrainerin des U18-Frauenkaders in Deutschland, daneben Masterstudium in Exercise Science and Coaching in Köln, ab 1. Januar 2019 80-Prozent-Stelle am Baspo in Magglingen als Leiterin Ausbildung J+S-Kampfsport.
• Grösste Erfolge als Kämpferin: 2003 Vize-Europameisterin in Deutschland, 2004 3. Platz am Super-Weltcupturnier in Moskau und Siegerin am Super-Weltcupturnier in Hamburg, Olympiateilnehmerin in Athen 2004, 2007 Sieg am Super-Weltcupturnier in Paris und 3. Platz am Super-Weltcupturnier in Moskau, 1998 Junioren-Europameisterin in Rumänien und Bronzemedaille an der Junioren-WM in Kolumbien. fri
 

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