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Eishockey

Klare Ansage des SC Lyss

Nach dem verdienten 6:1-Sieg im Spitzenkampf gegen Franches-Montagnes steht der SC Lyss kurz vor dem Qualifikationssieg. Ein Wermutstropfen: Topskorer Blatter wurde verletzt vom Eis getragen.

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Michael Lehmann

Es lief die 34. Minute, als die Lysser Fans trotz komfortabler 4:1-Führung ihres Teams besorgt umherblickten. Nach einem Rencontre in Bandennähe blieb Angreifer Bruno Blatter mit schmerzverzerrtem Gesicht und blutendem Bein auf dem Eis liegen. Schnell war klar: Der Topskorer des SC Lyss (18 Tore/13 Assists) muss vom Eis getragen werden, sein Bein konnte er nicht mehr belasten. Spieler des Gegners Franches-Montagnes halfen mit, den auf einer Barre liegenden Blatter vom Eis zu tragen. Und während die fast 500 Zuschauer in der Seelandhalle aufmunternd Beifall klatschten, begannen die Mutmassungen: Bänderriss? Beinbruch? Saisonende?

Nach Spielschluss dann die teilweise Entwarnung: Keine Fraktur, aber eine etwa fünf Zentimeter lange und ein Zentimeter tiefer Schnittwunde beim oberen Sprunggelenkt, die genäht werden musste. Blatter schrieb aus dem Spital: «Es könnte schlimmer sein.» Noch ist nicht klar, wie lange er ausfallen wird.

Fragende Blicke beim 1:0

Vom Ausfall des 32-jährigen Routiniers abgesehen, feierten die Lysser einen äusserst gelungenen Samstagabend. Nach dem 6:1-Erfolg über Franches-Montagnes haben die Seeländer die Tabellenspitze übernommen und stehen kurz vor dem Qualifikationssieg. Zwar liegen die Jurassier nach Punkten gleichauf, sie haben jedoch eine Partie mehr auf dem Konto. Die Seeländer wiederum treffen morgen auswärts auf Tabellenschlusslicht Meyrin. Nehmen sie drei Punkte mit nach Hause können die Lysser dank den beiden Siegen in den Direktbegegnungen nicht mehr vom ersten Rang verdrängt werden. Bei einer allfälligen Finalqualifikation hätten die Lysser damit das Heimrecht auf sicher.

So weit möchte Captain Florin Gerber natürlich noch nicht denken. «Bei den Playoffs beginnt alles wieder bei Null», erinnert er an eine alte Eishockey-Weisheit. Auch dem Fakt, dass sein Team in diesem Jahr (sechs Partien) eine makellose Bilanz aufweist, will Gerber nicht zu viel Bedeutung beimessen. «Wir haben die Spiele zwar gewonnen, aber nicht immer restlos überzeugt.»

Gegen Franches-Montagnes hat das Team jedoch eine starke Leistung gezeigt. Wobei den Lyssern vor allem im Startdrittel schlicht alles zu gelingen schien. In der neunten Minute schoss Marco Müller das Heimteam in Führung, nachdem er seinen Abwehrspielern entkommen ist und allein aufs Tor ziehen konnte. Sein Abschluss in die hohe Torecke passte perfekt. Oder doch nicht?

Während die Lysser den Treffer bejubelten blickten die Spieler von Franches-Montagnes fragend zu den Unparteiischen. War der Puck wirklich drin oder prallte er an der Torlatte ab? Selbst einige Lyss-Fans flüsterten untereinander, sie hätten den Aufprall des Pucks an der Querstange gehört. Ein klassischer Fall für die Torkameras – wenn es denn welche gehabt hätte. Der Schiedsrichter entschied schnell auf Tor und von den Jurassiern kamen kaum Proteste. 1:0.

Gehässigkeiten im Schlussdrittel

Mit einem Doppelschlag innert 14 Sekunden bauten die Lysser die Führung auf 3:0 aus. In der Folge bremste sich das Heimteam durch Strafen wiederholt selbst etwas aus. Zu Spielmitte, bei vier gegen vier Spielern auf dem Eis, war es Dominic Lüthi, der den Torhüter auf dessen Fanghand-Seite erwischte. Die folgende Überzahl nutzte Franches-Montagnes zum 1:4. Gleich danach hatten die Jurassier zwei gute Möglichkeiten den Rückstand weiter zu verkürzen, sie scheiterten jedoch an den starken Reflexen des Torhüters Michael Kaufmann.

Damit schien der spielerische Widerstand gebrochen. Gegen Ende war die Partie vor allem von Provokationen und Gehässigkeiten geprägt. Im Schlussdrittel sprachen die Unparteiischen insgesamt 61 Strafminuten aus: Playoff-Intensität in der Seelandhalle.

Der Sieg ist mit 6:1 zwar etwas gar hoch ausgefallen, verdient war er jedoch. Die Lysser waren über weite Strecken der Partie das klar bessere Team. «Der Erfolg war wichtig für die Moral», fasst Captain Florin Gerber zusammen. Nun haben die Lysser noch zwei Qualifikationsspiele auf dem Programm: Morgen auswärts in Meyrin und am Samstag (18.30 Uhr) daheim gegen Yverdon. Am Dienstag darauf stehen bereits die ersten Playoff-Partien an. Und die Seeländer haben gegenüber Franches-Montagnes sowie gegenüber der ganzen Liga eine klare Ansage gemacht: Dieses Team ist heiss auf den Titel.
 

 

Stichwörter: SC Lyss, Florin Gerber

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