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EHC Biel

In den Playoff-Modus wechseln

Die bessere Effizienz im Powerplay sowie die grössere Cleverness haben das Derby in der ausverkauften Tissot Arena zu Gunsten Berns entschieden. Beim EHC Biel ist eine Reaktion gefragt.

Vorentscheidende Szene: Der Bieler Marc-Antoine Pouliot erhält für diese Aktion an Simon Moser eine Strafe, worauf der SC Bern im Powerplay das 3:2 schiesst. Bild: Keystone

Francisco Rodríguez

Gross war am Ende der Ärger. Speziell bei Rajala, der 25 Sekunden nach Berns 3:2-Treffer wegen eines Bandenchecks zwei plus zehn Strafminuten kassierte. Beim Gang in die Kabine zertrümmerte der Finne seinen Stock und sah schliesslich Arcobellos 4:2 ins leere Tor nicht mehr. Auch Fey ärgerte sich darüber, das 2:2 nicht über die Zeit und in die Verlängerung gebracht zu haben. «Ich mag nicht über die Strafen reden, ob sie nun gerechtfertigt sind, oder kleinlich gepfiffen werden», sagte Fey. «Schliesslich waren sie aber matchentscheidend.»

Pouliot und Biel hart bestraft
Für Unverständnis sorgte vor allem Pouliots Ausschluss in der 55. Minute, den die Berner zum 3:2 durch Rüfenacht ausnutzten. Biels Frankokanadier hatte Moser von den Beinen geholt. «Eine harte Strafe», meinte auch Cheftrainer Antti Törmänen. «Denn Moser hat sie gesucht und sehr geschickt herausgeholt.» Bern war in der ausverkauften Tissot Arena nicht unbedingt die bessere, aber die cleverere Mannschaft. Zudem agierten die Stadtberner im Vergleich zu den Seeländern effizienter, vorab im Powerplay. Nebst dem 3:2 erzielte der SCB auch das 2:0 mit einem Mann mehr auf dem Eis.

Schmerzen und Leidenschaft
«Auch wir hatten unsere Chancen», haderte Fey. «Wir Verteidiger müssen die Scheibe besser vor das gegnerische Tor bringen und unsere Stürmer dort energischer sein.» Man könne sich ein Beispiel an den Bernern nehmen. «Ein Simon Moser beherrscht das aggressive Spiel sehr gut. Wenn er vor unser Tor kommt, dann ist es für uns Verteidiger pickelhart, gegen ihn zu spielen, weil er seinen Körper voll einsetzt. Das tut halt auch mal weh, soll es aber auch.» Eine solche Leidensfähigkeit werde bei Biel nicht immer an den Tag gelegt. «Die gehört aber zum Eishockey und wird speziell in den Playoffs gefragt sein. Mit der engen Tabellensituation fangen sie schon jetzt an.» Es sei an der Zeit, auch in Biel in den Playoff-Modus zu wechseln. «Dazu gehört ebenso, dass wir defensiv solider werden müssen», sagte der Verteidiger.

Keine unnötigen Strafen kassieren, hinten die Fehler minimieren und vorne die Torchancen verwerten: So einfach tönt die Theorie, die Biel oftmals nicht wunschgemäss in die Praxis umsetzt. Nach dieser nicht zwingenden Niederlage im Kantonalderby gegen den SC Bern ist der EHC Biel vom dritten auf den fünften Platz zurückgefallen. Der Vorsprung auf den Tabellenneunten Lugano beträgt aktuell sieben Punkte, wobei die Tessiner ein Spiel weniger ausgetragen haben. Fey verlangt für das Schlussprogramm eine deutliche Reaktion. «Wir schauen zwar jeweils nur auf das nächste Spiel, müssen uns aber bewusst sein, dass der Druck von allen Teams um uns herum sehr gross ist.»

Am Freitag gegen die ZSC Lions
Weitere Siege sind dringend nötig, um nicht noch weiter zurückzufallen. Zunächst nun am Freitag im Heimspiel gegen die ZSC Lions, die sechs Punkte hinter den Bielern mitten im Strichkampf stecken. «Obwohl wir das Derby gegen Bern verloren haben, gab es heute auch Gutes, auf dem wir aufbauen können», sagte Fey, nachdem er sich etwas beruhigt hatte. «Mit einer der besten Mannschaften mitzuhalten, ist als positives Zeichen zu werten und zeigt, dass wir auf diesem Toplevel spielen können.» Phasenweise mache es die Mannschaft gut. Wenn am Ende dennoch nichts Zählbares herausschaut, weil der Gegner die entscheidenden Sachen besser macht, war alle Mühe umsonst.

Vorentscheidende Wochen
Dank des Pflichtsieges vom vergangenen Freitag in Rapperswil-Jona und des Umstands, dass die Mitkonkurrenten im Kampf um die Playoff-Tickets wie Biel immer wieder Punkte abgeben, ist die nicht überraschende Derbyniederlage vom Samstag verschmerzbar. Nun folgen aber die kapitalen Direktbegegnungen. Nach der Partie gegen die Lions geht es für die Bieler am kommenden Samstag nach Fribourg. Die SCL Tigers und Ambri-Piotta sind die weiteren Rivalen, die sich bis am Ende der Qualifikation in den Top-8 halten wollen. Alles harte Duelle, in denen der EHC Biel schon jetzt sein Playoff-Gesicht aufsetzen muss.

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Bangen um Diem und Maurer
In der 13. Minute erwischte es Diem nach einem scheinbar korrekten Check von Gerber. Der Stürmer musste vom Eis geführt werden. Mit Maurer erlitten die Bieler danach den zweiten verletzungsbedingten Ausfall im Startdrittel. Auch der Verteidiger konnte nicht weiterspielen. Möglicherweise ist bei beiden ein Knie betroffen. «Es sind Verletzungen in der unteren Körperhälfte», sagte EHC-Biel-Trainer Antti Törmänen in üblichem Hockey-Jargon. «Nach dem ersten Besuch beim Arzt wissen wir mehr.»

Bedauerlich war auch die Niederlage gegen den SC Bern, der früh in Führung gehen konnte. Von einem steilen Pass via Bande angespielt, zog der Bieler Haas auf und davon, konnte auch von seinem Gegenspieler Moser nicht mehr wirksam gestoppt werden und erwischte Hiller auf der Stockhand. Biel besass zwar gute Ausgleichschancen, doch Ebbet nutzte gleich den ersten gegnerischen Ausschluss zum 2:0. Das Tor war aus Bieler Sicht höchst unglücklich, denn Maurer hatte nach einem Abpraller den Puck im Fallen direkt auf Ebbets Schaufel befreit. Die Berner hätten schon früh alles klar machen können, scheiterten aber am ausgezeichnet parierenden Hiller. Auch Biel besass gute Möglichkeiten, musste aber bis zur 34. Minute warten, ehe Genoni endlich ein erstes Mal bezwungen werden konnte. Dieses 1:2 war eine finnische Co-Produktion zwischen Salmela, der bei einem Gegenangriff die Scheibe zurücklegte, und Neuling Kärki, der sie wuchtig ins Eck schlenzte.

Als dann Tschantré in der 52. Minute mit viel Körpereinsatz die Scheibe ins gegnerische Drittel brachte, worauf der angespielte Fey Topskorer Rajala wunderschön bediente, war beim Stand von 2:2 wieder alles offen. Doch die Seeländer brachten sich mit Strafen selber in Rücklage. Rüfenacht mit einem Ablenkertor beim Ausschluss von Pouliot sowie Arcobello, als Hiller seinen Kasten verlassen hatte, erhöhten auf 4:2 und liessen sich am Ende von den vielen mitgereisten Berner Fans feiern. fri

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