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EHC Biel

Goalgetter, Neo-Nationalspieler und Simulant?

Michael Hügli kommt immer besser in Fahrt. In den letzten vier Spielen gelangen dem 23-Jährigen drei Tore. Zudem ist er unlängst erstmals für die A-Nationalmannschaft aufgeboten worden. Alles gut also? Nein, Hügli wird eine Schwalbe vorgeworfen.

Das 3:1. Michael Hügli (links) schiesst gegen Genf sein drittes Tor in den letzten vier Spielen. copyright: Keystone

Moritz Bill

Michael Hügli hat ereignisreiche Tage hinter sich. Der Stürmer des EHC Biel setzte sich auf verschiedenen Schauplätzen in Szene: Als Goalgetter, als Neo-Nationalspieler und – so wird es ihm vorgeworfen – als Simulant.
Zuerst zum Schwalbenvorwurf, dem brisantesten Thema. Im letzten Spiel gegen Genf sackt Hügli während eines Powerplays plötzlich zusammen. Die Wiederholung zeigt: Hügli erhält einen Stockschlag von Jeremy Wick an den Schlittschuh. Die TV-Bilder – vor allem in der Verlangsamung – lassen aber auch den Eindruck entstehen, dass Wick den Stockschlag nicht allzu hart ausführt. Die Meinungen unmittelbar danach sind denn auch geteilt. Die Experten auf «Mysports» leiden mit Hügli, da er an einer ungeschützten Stelle schmerzhaft getroffen worden sei. Auf Twitter wirft Ex-Spieler und «Blick»-Journalist Dino Kessler dem EHCB-Spieler «Diving» vor («das kann nicht wehtun»). Gleicher Meinung sind die Schiedsrichter. Zwar ahnden sie Wicks Stockschlag, doch gleichzeitig kassiert auch Hügli zwei Minuten für die übertriebene Reaktion.

«Das ist eine schmerzhafte Stelle»
Und was meint Hügli zu alldem? Er zeigt auf die Lücke zwischen dem Schlittschuh und dem Schienbeinschoner, wo er von Wicks Stock getroffen worden sei und sagt währenddessen:«Er trifft mich genau am Knochen, das ist eine schmerzhafte Stelle. Das war sicher unglücklich, in 19 von 20 Fällen würde er mich anderswo treffen.» Obwohl er mit der Strafe nicht einverstanden ist, zeigt Hügli dennoch Verständnis für die Refs: «Für die Schiedsrichter ist es schwierig, das genau zu sehen. Ich habe mir das Video angeschaut, Wicks Ausholbewegung war wirklich nicht riesig. Aber schliesslich geht es darum, wo er mich trifft. Ich hoffe, sie sehen das auch ein.»
So oder so: Dass die Schiedsrichter fremdes Schmerzempfinden beurteilen sollen, ist zu hinterfragen. Der EHCBiel war schon eine Woche zuvor in einen ähnlichen Fall involviert. Nachdem Sämi Kreis von Luganos Alessandro Chiesa einen Stockschlag ans Handgelenk kassiert hat, empfanden die Unparteiischen auch hier die Reaktion des Bielers übertrieben. Im Gegensatz zu Hügli fiel Kreis nicht auf das Eis, sondern hielt sich den Arm und fuhr mit schmerzverzerrtem Gesicht zur Auswechselbank – und von dort auf die Strafbank.
Nun zu Hüglis anderen Schauplätzen. Sowohl in dieser Partie gegen Lugano wie auch gegen Rapperswil-Jona und Genf machte er mit je einem Tor auf sich aufmerksam. Hüglis Saisontreffer sechs, sieben und acht zeigen, dass der zuvor regelmässige Swiss-League-Skorer auch in der höchsten Liga je länger, je mehr auf Touren kommt. «Da ist auch immer Glück dabei. Manchmal gibt es Phasen, in denen du eigentlich gut spielst, die Pucks aber nicht reingehen wollen», sagt der 23-Jährige.

«Verknorzt anstatt befreit»
Nur der Glücksgöttin Fortuna schreibt Hügli seine jüngsten Torerfolge aber nicht zu. Er fühle sich mittlerweile «wohler» in der neuen Umgebung, er spiele «intuitiver» als zu Beginn der Saison, als er oft die Rolle der 13. oder überzähligen Stürmers einnehmen musste. «Ich setzte mich anfangs unter Druck, wollte möglichst keine Fehler machen. In der Folge spielte ich nicht befreit, sondern zu verknorzt.»
Dass Hügli in Biel in der Teamhierarchie nicht dort war, wo er sein wollte, erkannten auch die Verantwortlichen seines Ex-Klubs, für den er vergangen Saison 63 Punkte in 66 Partien skorte. Ende Oktober deponierten die Rapperswil-Jona Lakers eine Ausleih-Anfrage beim EHCB, die die Bieler aber umgehend ablehnten. Dazu sagt Hügli:«Als Spieler möchte man natürlich so viel spielen wie möglich. ‹Stoney› und die Trainer zeigten mir im Gespräch aber gut auf, wir ihr Plan mit mir aussieht und dass ich weiterhin hart trainieren müsse. Ich habe ja damals wirklich nicht mein bestes Hockey gespielt.» Der Plan scheint mittlerweile aufzugehen.

«Eine coole Möglichkeit»
Auffallend ist, dass Hügli zuletzt in verschiedenen Linien hin und her geschoben wurde, nun aber mit Dominik Diem und Mike Künzle passende Partner gefunden zu haben scheint. Dem will der Rechtsschütze nicht allzu viel Gewicht verleihen. «Wir haben viele gute Spieler, deshalb spielt das nicht eine so grosse Rolle. Aber mit diesen beiden verstehe ich mich schon recht gut. Diem spielt sehr clever, Künzle kann den Puck gut halten und schafft Raum für uns.»
Mit wem Hügli nächste Woche an den Prospect Games in Deutschland in derselben Linie spielen wird, ist offen. Das erste Aufgebot der A-Nationalmannschaft sei überraschend gekommen, sagt der Aargauer. «Ich freue mich sehr, mich dort zeigen zu können. Das ist eine coole Möglichkeit für junge Spieler, international spielen zu können.» Als Nationalspieler will sich Hügli noch nicht bezeichnen, da es sich eben um einen Prospect-Zusammenzug handelt. «Bis dorthin ist es noch ein weiter Weg. Aber das ist natürlich ein Ziel, auf das ich hinarbeite.»

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Tschantré und Kreis heute fraglich
Im heutigen Auswärtsspiel gegen den Lausanne HC (19.45 Uhr) könnte der EHC Biel in leicht veränderter Formation antreten. Sowohl Sämi Kreis wie auch Mathieu Tschantré fehlten im gestrigen Training und sind für heute fraglich. Kreis war krank, Tschantré beklagte Nackenschmerzen. Der Captain musste am Dienstag in Genf im letzten Drittel einem ungeahndeten Late-Hit von Cody Almond einstecken.
Falls Tschantré nicht spielen könnte, wäre der zuletzt verletzte Fabian Lüthi als 13. Stürmer einsatzbereit. Auch wieder mittun könnte der in Genf krank fehlende Marco Maurer.
Erstmals wieder mit dem Team trainierte gestern Robbie Earl. Der US-Amerikaner trug noch das schwarze Trikot (kein Körperkontakt) und wird heute sicherlich nicht spielen. bil

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