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Eishockey

Kärki springt gerne ins kalte Wasser

Am Sonntag angekommen, gestern trainiert und heute das Debüt in Genf: Biels Neuverpflichtung Jarno Kärki erhält nicht viel Anlaufzeit. Er soll vorerst den verletzten Robbie Earl ersetzen. Und dann? Der Finne hält fest: Er möchte bleiben.

Jarno Kärki (im roten Dress) im ersten Training mit seinen neuen Teamkollegen. COpyright: Peter Samuel Jaggi/Bieler Tagblatt

Michael Lehmann

Am Sonntag war Jarno Kärki noch in Pori, eine Hafen- und Industriestadt im Südwesten Finnlands mit etwa 85000 Einwohnern. Die letzten Stunden vor seiner Reise in die Schweiz verbrachte er mit seiner Freundin und seiner Familie. Sie liefen Schlittschuh, gingen in die Sauna und sprangen durch ein Loch in den gefrorenen See. So weit, so typisch.

Am Nachmittag betrat der 24-Jährige das Flugzeug. Er reiste allein, die Freundin will ihn aber so bald wie möglich besuchen. Am Abend um 19.30 Uhr landete er in Zürich. In der Nacht kam er in Biel an und bezog das Zimmer in einem Hotel in der Nähe des Sees. Gestern Vormittag stand er ein erstes Mal mit seinen neuen Teamkollegen in der Tissot Arena auf dem Eis. Ein angenehmer Start sei es gewesen, sagte er danach. «Alle haben mich begrüsst, es herrschte eine gute Stimmung auf und neben dem Eis.» Heute wird Jarno Kärki nach Genf reisen und sein erstes Spiel in der Schweiz bestreiten.

Etwas scheu, aber umgänglich

Es geht Schlag auf Schlag für den neuen Finnen in den Reihen des EHCB. Auch deshalb ist er froh, dass er in Biel mit Trainer Antti Törmänen und den Spielern Anssi Salmela und Toni Rajala auf drei Landsmänner trifft. Mit keinem hat Kärki in Finnland nähere Bekanntschaft geschlossen. Allerdings hat er sich in den Tagen vor seiner Abreise oft mit Rajala ausgetauscht.

Toni Rajala und Jarno Kärki scheinen auch vom Wesen her am meisten übereinzustimmen. Während Törmänen und Salmela Fragen auch mal nur mit einem Wort beantworten, kommen die beiden Stürmer eher ins Reden. «Das liegt vielleicht daran, dass ich etwas nervös bin», erklärt Kärki. Den neuen Teamkollegen hat er sich als etwas scheuen, aber umgänglichen Typen vorgestellt; «fun to be around».

Für Jarno Kärki ist Biel die erste Station im Ausland. Der 1,94 Meter grosse Stürmer spielte bisher praktisch durchgehend für Ässät Pori, wo er auch die Juniorenstufen durchlief. Sein Abstecher zu Ligakonkurrent Tappara war von wenig Erfolg gekrönt. Warum es nicht geklappt hat, kann sich Jarno Kärki nicht wirklich erklären. «Es waren kleine Dinge, die nicht zusammenpassten.»  Nach 19 Partien, keinem Tor und nur einem Assist kehrte er zu seinem Stammklub zurück, wo er prompt das Skoren wiederentdeckte. In den 87 Spielen bis zu seinem zweiten Abgang sammelte er 62 Skorerpunkte, dabei spielte er vorwiegend auf dem linken Flügel. Diese Position wird er vorerst auch in Biel einnehmen, Kärki hat aber ebenfalls Erfahrungen als Center gesammelt.

Keinen Vertrag für nächste Saison

Dass er den Schritt ins Ausland wagte, hängt mit der Situation seines Stammvereins zusammen. Der Klub liegt am Tabellenende, hat keine Chance auf die Playoffs. Da die «Liiga» in Finnland geschlossen ist, muss Ässät aber auch den Abstieg nicht fürchten. Die teuersten Spieler für den Rest der Saison abzugeben, liegt nahe. «Als sich mein Abgang konkretisierte, dachte ich sofort an die Schweiz», sagt Jarno Kärki. «Die Spieler, die einmal hier waren, erzählten nur Gutes über das Land und die Liga.»

Der EHC Biel wiederum ist nach dem Ausfall von Robbie Earl und den mässigen Resultaten (drei Siege in den letzten neun Partien) unter Druck gekommen, sich nach einem fünften Ausländer umzusehen. «Wäre der Playoff-Strich nicht plötzlich bedrohlich nahe gekommen, hätten wir wohl noch ein paar Tage zugewartet, einen fünften Ausländer zu holen», sagt Sportchef Martin Steinegger. Dennoch sei der Transfer Kärkis kein Schnellschuss. «Mit Jarno haben wir einen namhaften Spieler zu einem erschwinglichen Preis verpflichten können.» Bei der aktuellen Marktsituation sei der treffsichere Angreifer ein Glücksfall.

Die Seeländer haben den Finnen mit einem Vertrag bis Ende Saison ausgestattet. «Es ist für beide Seiten eine gute Ausgangslage, sich näher kennenzulernen», sagt Steinegger. Ein längerfristiges Engagement ist derzeit nicht geplant, ausschliessen möchte es der Sportchef jedoch nicht.

Jarno Kärki denkt jedenfalls nicht an eine baldige Rückkehr. «Ich möchte mich hier beweisen und mich auch für die nächste Saison empfehlen», sagt der Stürmer.

Debüt wie bei Robbie Earl?

Die erste Chance dazu erhält er heute Abend im Genfer Les Vernets. Kärki dürfte in der Linie von JasonFuchs und Damien Brunner aufgestellt werden; auf der Position, die Robbie Earl bis zu seinemAusfall meist innehatte.

Als der Amerikaner sein Biel-Debüt gab, sammelte er sogleich vier Skorerpunkte. Dasselbe von Jarno Kärki zu erwarten, wäre vermessen. Toni Rajala brauchte zum Beispiel fünf Partien, bis er zum ersten Mal für die Seeländer traf. Leise Hoffnungen darf sich der Biel-Fan dennoch machen, denn es steht fest: Jarno Kärki mag es, ins kalte Wasser zu springen.

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Seit Anfang Dezember auswärts sieglos

Der EHC Biel trifft heute auswärts auf Genf. Zuletzt zeigten die Seeländer auf fremden Eis schwache Auftritte. Das Torverhältnis der letzten vier Gastspiele beträgt 1:15. Der letzte Auswärtssieg (4:0 gegen Fribourg) feierte Biel am 7. Dezember.

Jarno Kärki wird sein Debüt in der zweiten Linie neben Jason Fuchs und Damien Brunner geben. Wann Robbie Earl zurückkehren wird, ist noch offen.

Im Training fehlten gestern Marco Maurer (krank) und Fabian Lüthi, der erneut über Fussschmerzen klagt. Beide dürften heute nicht spielen. Ein Fragezeichen ist auch hinter dem Einsatz von Mike Künzle zu setzen. Er erhielt während einer Übung einen Stock ins Gesicht und brach das Training mit Schmerzen ab.
 

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