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EHC Biel

Mit Augenklappe, 
aber ohne Scheuklappen

Rajan Sataric spielt unscheinbar solid. Dass sich der 26-Jährige in der Verteidigung des EHC Biel sogleich durchsetzt, ist bemerkenswert. Heute trifft er in Rapperswil-Jona auf seine Ex-Teamkollegen.

«Defense first»: Bei Rajan Sataric (rechts, im Zweikampf mit Luganos Raffaele Sannitz) kommt die defensive Arbeit immer vor dem offensiven Vergnügen. Bild: Keystone

Moritz Bill

Rajan Sataric macht es unbewusst, doch ist die Szene exemplarisch für sein Wesen und Wirken. Der Lokaljournalist möchte nach dem Training gerne mit ihm reden. Doch Sataric winkt auf dem Weg in die Garderobe ab, wechselt den Stock und schreitet schnellen Schrittes zurück auf die Eisfläche. Im Vorbeigehen sagt er kurz und knapp «nicht jetzt». Obwohl man ihm in diesem Moment Unfreundlichkeit ankreiden könnte – er meint es nicht böse. Er ist bloss zu fokussiert, muss jetzt – fünf Minuten bevor die Eismaschine das Training endgültig beendet – unbedingt nochmals aufs Eis.

Kurze Zeit später hat er den Helm abgenommen, lächelt freundlich und scheint wie verwandelt. Das Verbissene, das ihn auf dem Eis kenn- und auszeichnet, ist wie verflogen.

«Captain Sparrow» wegen Backhand
Dass Sataric gewillt ist, alles für den Erfolg, für den persönlichen Fortschritt zu tun, zeigt eine weitere Episode. Assistenztrainer Anders Olsson erkennt bei seinem Schützling ein Defizit und schlägt diesem ein unkonventionelles Mittel zur Behebung vor. «Die anderen werden dich auslachen, aber du wirst etwas lernen. Bist du dabei?» Der Verteidiger stellt den Lerneffekt über den drohenden Spott und zieht sich im Training eine Augenklappe über sein rechtes Auge.

Weshalb? Sataric neigt dazu, die Scheibe backhand zu spielen. Die offene Schaufelseite, also normal, wäre für den ersten Pass aus der eigenen Zone aber meistens die bessere Wahl. Das eingeschränkte Sichtfeld verhindert, dass er den Puck auf der Backhand-Seite annehmen kann, da er diesen als Linksschütze ohne rechtes Auge nicht sieht. Und es half. «Ich wechsle nun fast automatisch auf meine bessere Seite, das hat sich eingeprägt», sagt Sataric. Sein Spitzname «Captain Sparrow», den er von seinen Teamkollegen verliehen bekam, blieb hingegen nicht hängen.

Dieses Beispiel zeigt, dass Sataric keine Scheuklappen vor speziellen Trainingsmethoden hat, solange sie ihm dienlich sind. Olsson lobt diesen Lernwillen: «Er arbeitet wirklich hart. Anfangs hatte er ein wenig Mühe, sich an unser System zu adaptieren. Doch seither hat er wichtige Schritte vorwärts gemacht.»

Der Trainingseifer ist im Karriereverlauf des heute 26-Jährigen begründet. Sataric nahm nicht den geraden Weg nach oben in die höchste Liga. Umwege führten ihn auf diese Saison hin zum EHC Biel, zurück in den Klub, in dem der Biberister schon ab der Novizen-Stufe gespielt hatte und 19-jährig in der NLA debütierte. Einen Stammplatz ergatterte er sich damals nicht. In Basel und Thurgau sammelte er eine Liga tiefer Spielpraxis, ehe er beim heutigen Gegner Rapperswil-Jona doch noch zum NL-Verteidiger reifte. Mit den Lakers stieg er zwar ab, jedoch letzte Saison auch wieder auf, wie Sataric betont. «Dieser Weg hat mir gutgetan. Ich konnte viel spielen, das war wichtig für meine Entwicklung», sagt der Solothurner rückblickend.

Der Mann fürs Boxplay
Mit diesem Wissen ist Satarics Rolle, die er sich in dieser Saison beim EHC Biel erkämpft hat, bemerkenswert. Wer hätte im Sommer gedacht, dass er, aus der Swiss League kommend, im Februar in der Verteidigungs-Hierarchie derart weit oben figurieren würde? Dass er nur zweimal überzählig zuschauen müsste? Und im Boxplay am meisten Eiszeit aller EHC-Spieler zugeteilt bekäme? Der Defensiv-Verteidiger selbst nicht, beziehungsweise habe er sich mit solchen Fragen nicht beschäftigt: «Ich wollte nicht darüber nachdenken, was sein könnte. Ich nahm mir einfach vor, jeden Tag meine Leistung aufs Eis zu bringen.» Dieser Plan ist bis jetzt aufgegangen. Dabei half dem Sohn einer Montenegrinerin und eines Serben auch das Umfeld. Wieder für Biel zu spielen, sei für ihn auch ein Heimkommen.

Heute geht es für Sataric in seine alte Zweitheimat nach Rapperswil-Jona. Die Bieler sind im Kampf um die Playoff-Plätze auf Punkte gegen den Aufsteiger angewiesen. Der Ex-Laker will sich aber nicht mit Tabellenplätzen beschäftigen, sondern legt den Fokus auf den Einsatz. «Wir dürfen nicht an den Punkten rumstudieren. Wenn jeder Einzelne seine Bestes gibt, kommt es gut.» Mangelnden Einsatz konnte man Sataric bis jetzt wahrlich nicht vorwerfen – weder im Match noch im Training.

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Nur ein Warm-up-Training für die «Prospects»
- Der EHC Biel steht heute Abend in Rapperswil-Jona gegen die Lakers im Einsatz. An die Heimstätte des Schlusslichts haben die Bieler schlechte Erinnerungen: Mitte November verloren sie dort in der Verlängerung 4:5. Morgen folgt das Heimspiel gegen den SC Bern, das Derby ist bereits seit einer Woche ausverkauft.
- In welcher Formation die Seeländer am rechten Zürichseeufer antreten, war im gestrigen Training nicht eruierbar. Einzig ist fix, dass Hiller das Tor hütet. Tschantré und Earl sind wieder einsatzfähig. Welcher Ausländer überzählig sein wird, wird heute bestimmt. Auch, ob Diem, Hügli und Moser, die mit der Nationalmannschaft an den «Prospect-Games» in Deutschland weilten, alle spielen werden. Diese kehrten erst um 3 Uhr in der Nacht auf gestern zurück und nahmen nicht am Training teil. So oder so wird ihnen nur das heutige Warm-up-Training bleiben, um wieder in den Meisterschaftsrhythmus zu wechseln.
- Nationaltrainer Patrick Fischer wollte mit Kreis und Riat sogar noch zwei weitere Bieler aufbieten, worauf die Chefetage des EHCB ihr Veto einlegte. «Wir wollten auch wegen des Verletzungsrisikos in dieser wichtigen Phase der Saison nicht fünf Spieler abgeben, während von anderen Teams niemand selektioniert wurde», sagt Daniel Villard gegenüber dem «Journal du Jura». Der EHCB-Manager stört sich generell an dieser «Prospect»-Auswahl, da diese jungen Spieler ihr Nati-Aufgebot bei Vertragsverhandlungen als Argument für ein höheres Salär hervorbringen würden.
- Der EHC Biel hat acht B-Lizenzen gelöst, eine davon ist jene von Brett Cameron (La Chaux-de-Fonds), der schon zwei Spiele mit Biel bestritt. bil

 

 

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