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FC Biel

Bieler lassen sich überrumpeln

Der FC Biel hat leichtsinnig die Chance auf einen weiteren Cup-Knüller vergeben. Im Duell um den Einzug in die Hauptrunde verloren die Bieler bei den Black Stars in Basel nach Geschenken mit 2:5.

Die Bieler (rechts Labinot Sheholli, im Zweikampf mit Simon Dünki, hinten Kaua Safari) sind im Cup ausgeschieden. Bild: Alain D. Boillat

Francisco Rodríguez

Unvergessen bleibt bei allen Bieler Fussballfans die Partie vom vergangenen August vor über 5000 begeisterten Zuschauern in der praktisch vollbesetzten Tissot Arena. Der FC Biel bot damals im Cup dem Schweizer Meister Young Boys mit einem überragenden Auftritt Paroli und verpasste knapp die grosse Sensation. Im Bieler Lager hatte man sich nun berechtigte Hoffnungen auf den nächsten Cup-Knüller gemacht. Ein Sieg in Basel gegen den Ligakonkurrenten Black Stars war noch nötig gewesen sowie Losglück bei der Ziehung der 1. Hauptrunde.

Doch die Gäste auf dem Sportplatz Buschweilerhof wurden nach einem guten Start und diversen vielversprechenden Offensivaktionen jäh aus ihren Cup-Träumen gerissen. Black-Stars-Torhüter Steven Oberle lancierte mit einem präzisen Auskick Donat Rrudhani. Der 19-jährige schnelle Flügelstürmer hängte alle ab und passte schliesslich auf den in der Mitte gut gefolgten Mergim Ahmeti, der den Konter zum 1:0 abschloss. Der FC Biel suchte daraufhin den Ausgleich, kombinierte sich gefällig durch die Abwehrreihen – und wurde erneut eiskalt erwischt. Captain Labinot Sheholli verlor bei einem ungenauen Pass den Ball, worauf es überfallartig wieder in die andere Richtung ging. Schliesslich war es Deny Gomes, der auf 2:0 erhöhte. Kurz nach der Pause nutzte er erneut seine Freiheiten aus und erzielte das 3:0.

FC Biel schöpft wieder Hoffnung
Die Gäste kämpften beherzt gegen die drohende Cup-Niederlage an und hatten Erfolg. Zuerst war es Labinot Sheholli, der eine Flanke von Nolan Nuzzolo per Kopf vollendete. Knapp zwei Minuten später erbte Nuzzolo nach einem Schuss von Sheholli den Abpraller und schoss das 2:3. Alles war wieder offen. Doch die Bieler brachten sich mit ihrem nachlässigen Abwehrverhalten gleich selber um die Früchte ihrer Bemühungen. Erneut war es Gomes, der mit einem Kopfball seinen Hattrick perfekt machte und für das vorentscheidende 4:2 sorgte. Fünf Minuten vor dem Abpfiff bediente er den eingewechselten Dino Babovic, der zum 5:2-Endstand traf.

Die Basler hoffen nun auf ein Traumlos, während die Bieler der verpassten Chance nachtrauerten. Gross war der Ärger bei Kurt Baumann. «Wer so verteidigt, der kann kein Spiel gewinnen», bemängelte Biels Cheftrainer das Defensivverhalten seiner Mannschaft. «Beim ersten Gegentor sind die Spieler nicht schnell genug zurückgelaufen, auch beim zweiten waren sie nicht bereit und beim dritten wurde der Ball vertändelt, anstatt ihn wegzuschlagen.» Nach dem Anschluss habe man auf einfache Art und Weise das vierte Gegentor zugelassen. «Wenn man so Erfolg haben will auf diesem Niveau, dann kann man es gleich vergessen. Das ist leger, das ist einfach nicht verteidigen», haderte Baumann.

Kaum Alternativen in der Abwehr
Einmal im Ballbesitz und beim Spielaufbau habe er keinen Unterschied festgestellt. «Da waren wir auf Augenhöhe mit dem Gegner. Aber defensiv fehlten der Biss, die Emotionen und die klare Kommunikation.» Offensiv eines der besten Teams der Liga, verfolgen Biel die defensiven Probleme schon während der ganzen Saison. Zuhause reicht es zwar gleichwohl zum Sieg, doch auswärts kostet das ungenügende Defensivverhalten viele wertvolle Punkte und verbaut einem nun auch die Möglichkeit, im Cup wie letztes Jahr für Furore zu sorgen.

«So einfach, wie die Gegner heute zu ihren Toren gekommen sind, darf es nicht gehen», sagte Baumann, der wegen Verletzungen derzeit kaum Alternativen in der Abwehr hat. Adrien Rawyler, den es gegen Delémont mit einer Zerrung erwischt hatte, fehlt rund drei Wochen, und auch Jihed Jelassi war am Samstag noch nicht einsatzbereit. Dafür gab in der Offensive Kastriot Sheholli nach langer Verletzungspause sein Comeback.

Flügelstürmer Nuzzolo, der seine offensiven Aufgaben erfüllte und im Erfolgsfall mit seiner Vorlage auf Sheholli und seinem Tor zum Matchwinner hätte avancieren können, fand keine richtige Erklärung für die Abwehrmängel. «Während wir uns daheim sehr wohl fühlen, geraten wir auswärts praktisch in jedem Spiel in Rückstand», sagte Nuzzolo. «Wir müssen versuchen, auch auswärts keine Tore zu erhalten und zu Null zu spielen. Defensiv gut stehen und den richtigen Moment erwischen, um in Führung zu gehen.» Einfacher gesagt als getan. «Wir müssen auf dem Platz positiv bleiben und einander unterstützen», so Nuzzolo.

Am kommenden Samstag können sich die Bieler rehabilitieren und in Zofingen beweisen, dass sie auch auswärts eine solide Abwehrleistung hinkriegen.

 

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