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Filmkritik

"The Lego Movie 2": Alles ist nicht super, aber gut

Emmet, Lucy und Batman, die gelben Plastik-Helden aus «The Lego Movie», sind zurück auf der Leinwand und fordern erneut die Lachmuskeln der Zuschauer heraus. Doch etwas fehlt.

In «The Lego Movie 2» gibt es gute Laune und jede Menge Referenzen an die Popkultur.

von Yannik Leibacher

Als im Frühling 2014 der Ohrwurm «Everything is awesome» (deutsch:«Hier ist alles super») aus den Lautsprechern dröhnte, grinsten junge und junggebliebene Kinobesucher bis über beide Ohren.

«The Lego Movie» war ein absoluter Überraschungshit. Wer erwartete schon, dass ein Film über die farbigen Plastikbausteine etwas taugen sollte? Und doch, die Geschichte rund um das Kultspielzeug aus Dänemark war voller Witz, quoll fast über von Anspielungen auf die Popkultur und erzählte nicht zuletzt eine herzerwärmende Geschichte.

Nachdem inzwischen zwei mehr oder weniger gelungene Spin-Off-Filme mit Batman und den Ninjago-Figuren in den Hauptrollen produziert wurden, ist nun also die erste echte Fortsetzung im Kino. Und die setzt fünf Jahre später ein: Die Lego Stadt Bricksburg wurde von ausserirdischen Duplo-Steinen angegriffen und in eine apokalyptische Wüstenlandschaft à la «Mad Max» verwandelt. Doch damit nicht genug, eine geheimnisvolle Gestalt namens General Mayhem taucht auf und entführt die Anführer der Lego-Helden. So muss sich der ständige Optimist Emmet (Chris Pratt) aufmachen um seine Freunde vom Planeten Systar zurückzuholen.

Alle Komponenten für eine erfolgreiche Fortsetzung sind in «The Lego Movie 2» zu finden: Christopher Miller und Phil Lord, die Köpfe hinter dem ersten Teil, sind für das Drehbuch verantwortlich, während Mike Mitchell («Shrek Ever After») die Regie übernommen hat. Auch die Sprecher aus dem ersten Teil sind fast alle wieder mit dabei, im englischen Original sind dies neben Pratt unter anderem Elizabeth Banks (Lucy) und Will Arnett (Batman).

Während der Film grösstenteils mit tollen Witzen unterhält und mit noch mehr eingängigen Popsongs als der Vorgänger punkten kann, lässt er die Scharfsinnigkeit desselben vermissen.

Ein entscheidendes Puzzlestück fehlt, damit sich der Film wie ein organisches Ganzes anfühlt. Dies dürfte zum einen auf den Überraschungseffekt des ersten «Lego Movie» zurückzuführen sein, zum anderen auf dessen emotionale Komponente. Denn die Wendung, dass die gesamte Geschichte eigentlich der Fantasie eines Jungen (Jason Sand) und seiner kleinen Schwester (Brookyln Prince) entspringt, ist hier von Anfang an eine Selbstverständlichkeit. Der Film ist deshalb zwar immer noch amüsant, aber nicht mehr ganz so geschickt umgesetzt.

So fühlt es sich eher plump an, wenn das Drehbuch versucht, den Moralapostel zu spielen und diverse Lektionen übers Erwachsenwerden rüberbringen will. Denn wenn man ehrlich sein will, ist die ganze Handlung sowieso nur ein Vorwand der Autoren Miller und Lord, um möglichst viele Insider-Witze reinzupacken und eine möglichst breite Palette an Charakteren auftreten zu lassen. Von Abraham Lincoln bis zu Comichelden wie Superman und Green Lantern (wenn auch nur kurz), sind alle möglichen Figuren dabei, die man sich als Lego-Fan nur wünschen könnte. So viele, dass es wie beim Vorgänger unmöglich ist, alle beim ersten Mal zu entdecken. Und wenn auch nicht alle Witze wirklich zünden, diejenigen die es tun, sind dafür umso besser.

Der grösste Nachteil von «The Lego Movie 2» sind sicherlich die hohen Ansprüche, die durch den direkten Vorgänger entstanden sind. Und die kann der Film leider nicht wirklich erfüllen, was aber zu erwarten war. Trotzdem ist das Werk kurzweilig, spassig und voller Ohrwürmer, die man so schnell nicht wieder aus dem Kopf bekommt.

Übrigens lohnt es sich auch hier, während dem Abspann sitzen zu bleiben. Dieser ist nämlich nicht nur schön gemacht, sondern auch mit einem Lied über die Grossartigkeit von Filmabspännen unterlegt.

Info: In den Kinos Lido 1 und Cinedome, Biel; auch in Grenchen. Der Film ist nur in einer deutschsprachigen Synchronfassung zu sehen.

BEURTEILUNG BT-FILMKRITIKER
- Yannik Leibacher: *** (von 5 Sternen)


 

Stichwörter: Filmkritik

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