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Filmkritik

"Mary Poppins Returns": Sie fliegt wieder

Nach gut fünf Jahrzehnten erhält der Disney-Klassiker "Mary Poppins" eine höchst gelungene Fortsetzung. Emily Blunt ist in der Titelrolle perfekt besetzt.

Die Hilfe kommt von oben: Mary Poppins (grossartig: Emily Blunt).
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von Roger Duft

Es ist ein Rekord. Mit 54 Jahren war die Zeitspanne zwischen einem Real-Film und seiner Fortsetzung noch nie grösser. Wobei bei «Mary Poppins» (1964) gerade die Tatsache, dass es eben kein reiner Real-Film ist, viel zu seinem Erfolg beigetragen hat. Die perfekte Mischung aus Real- und Trickfilm, gepaart mit schmissigen Musical-Nummern und einer fulminant aufspielenden Julie Andrews in der Hauptrolle führte nicht nur zu einem Grosserfolg an den Kinokassen, sondern brachte dem Film von Robert Stevenson auch fünf Oscars ein.

Innerhalb der Handlungen zwischen dem Klassiker und «Mary Poppins Returns» vergeht nicht ganz so viel Zeit. Ungefähr 25 Jahre dürften es her sein, seit das zauberhafte Kindermädchen Mary Poppins ins Leben der Familie Banks – und insbesondere der beiden Kinder George und Jane – im wahrsten Sinne des Wortes hereingeweht ist, um sich resolut, aber immer liebevoll und mit einer gehörigen Portion Magie um die Geschwister zu kümmern und die Familie in schwierigen Zeiten zu unterstützen.

Nun sind George (Ben Wishaw) und Jane (Emily Mortimer) erwachsen. Nach dem Tod seiner Frau kümmert sich George mit Hilfe seiner Schwester im London der 30er-Jahre gemeinsam um seine drei Sprösslinge. Doch als wäre der Verlust der geliebten Ehefrau und Mutter nicht genug, so muss die Familie nun auch noch um ihr mit unzähligen Erinnerungen gefülltes Heim fürchten. Es droht die Enteignung durch die Bank, wenn George das Zertifikat über die ihm hinterlassenen Treue-Aktien nicht rechtzeitig vorlegen kann, was der hinterhältige Chef der Bank (Colin Firth) zu verhindern versucht.

Hilfe naht schliesslich, wie schon einmal im Leben von George und Jane, von oben. Mary Poppins taucht erneut auf, um der Familie zur Seite zu stehen. Mit Unterstützung von Strassenlampen-Wärter Jack (Lin-Manuel Miranda) bringt Mary Poppins die Familie erneut sanft und mit diskreten Aktionen dazu, sich am Ende selber zu helfen.

Regisseur Rob Marshall («Chicago», «Into The Woods»), ein erfahrener Mann, wenn es um Musical-Verfilmungen der üppigen Art geht, bestand für «Mary Poppins Returns» darauf, dass auch hier zumindest einige der Animationssequenzen handgezeichnet sind. Und so griffen die Walt Disney Animation Studios nach Langem wieder einmal zu Tusche und Feder. Das Resultat ist teilweise verblüffend. Besonders in einer Action-Szene kommt man ob der perfekten Verschmelzung von Real- und Trickfilm aufgrund des hohen Tempos ins Staunen. Einige Momente, die im Computer animiert sind, überzeugen in ihrer Pracht aber genauso.

Dieses superbe Zusammenspiel der Filmformen ist es, welches «Mary Poppins» zum Klassiker werden liess. Und Marshall schafft es, diese magische Kombination erneut zu erzeugen. Ein paar Mal, oben erwähnte Action-Szene inbegriffen, wird es vielleicht etwas gar turbulent, was den Zauber etwas bremst, aber Marshall findet den Ausweg jeweils rechtzeitig. Dass die Musical-Momente grosses Kino bieten, ist bei ihm sowieso garantiert.

Was am Ende aber am meisten heraussticht, ist Emily Blunt. Die Fussstapfen von Oscar-Gewinnerin Julie Andrews sind schwer zu füllen. Aber Blunt schafft es, die wortgewandte, abenteuerlustige Nanny mit viel Wiedererkennungswert zu versehen, der Rolle aber trotzdem einen eigenen Stempel aufzudrücken. Und singen kann Blunt auch – bei dem Charakter nicht ganz unwichtig. Auch der Rest des Ensembles, insbesondere Meryl Streep in der Rolle von Marys Cousine, hat sichtlich Spass.

Wer es zu Weihnachten im Kino gerne magisch und herzerwärmend hat, sitzt hier im genau richtigen Film. Für diejenigen, die es lieber etwas lauter und wilder haben, sind das «Transformers»-Sequel «Bumblebee» und die visuell atemberaubende Comic-Verfilmung «Aquaman» adäquate Alternativen. Das Festtagskino-Programm ist angerichtet.

Info: In den Kinos Beluga, Lido 1 und Cinedome, Biel.

BEURTEILUNG BT-FILMKRITIKER
- Roger Duft: **** (von 5 Sternen)
- Yannik Leibacher: **** (von 5 Sternen)


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Stichwörter: Filmkritik

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