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Filmkritik

"Robin Hood": Ein nervöser Dieb ohne Seele

Ein neues Abenteuer versucht dem legendären Helden frisches Leben einzuhauchen. Das Resultat ist eine Frechheit und sorgt für Kopfschütteln.

Allzeit bereit: Auch dieser Robin Hood (Taron Egerton) kann perfekt mit Pfeil und Bogen umgehen.

von Simon Dick

Kevin Costner, Russell Crowe, Sean Connery, Errol Flynn und viele weitere bekannte Schauspieler durften schon in die Rolle von Robin Hood schlüpfen. In regelmässigen Abständen kommt der sympathische Bandit zurück ins Kino, um mit einer Neuinterpretation das Publikum zu erfreuen. Mal ist sie selbstironisch, mal versucht sie mit Realismus zu punkten.

Was das jüngste Werk genau will, weiss es wohl selber nicht genau.

Die Sage des Robin Hood ist bekannt und hat sich nicht gross verändert: Robin von Loxley (ohne Ecken und Kanten: Taron Egerton) kehrt nach Jahren der Abwesenheit von den blutigen Kreuzzügen nach Nottingham zurück. Zuhause angekommen ist aber nichts mehr so, wie es einmal war. Der berühmt berüchtigte Sheriff von Nottingham (ein Lichtblick: Ben Mendelsohn) hat das Reich in seinem Griff und nimmt den Bewohnern das Geld, um die Kriegskasse zu füllen. Und natürlich ist da noch die verflossene Liebe Marian (langweilig: Eve Hewson), die auf ihre Rettung wartet. Dumm nur, dass diese nun ein Techtelmechtel mit einem anderen Schönling eingegangen ist. Kein Wunder, denn Robin wurde schon lange für tot erklärt.

Was folgt, ist ebenfalls vertraut: Während den Kreuzzügen hat sich Robin zu einem einzigartigen Pfeil-und-Bogen-Schützen ausgebildet und kann nun akrobatisch und stets in Begleitung der Zeitlupe durch die Gegend turnen und reihenweise ganz schnell ganz viele Pfeile in die Körper von bösen Buben donnern. So nutzt er denn seine neuen Fähigkeiten, um maskiert auf Raubzüge zu gehen, um das Geld den Armen zurückzugeben.

Unterstützung bekommt er von John (übermotiviert: Jamie Foxx), der ihm bei seiner Ausbildung zum Rächer den letzten Schliff verleiht und stets einen lockeren Spruch auf Lager hat.

Dass Robin Hood wie ein nervöser Gockel in Überlichtgeschwindigkeit von Szene zu Szene huscht, mag gefallen. Denn wenn die Kamera um den Helden herum gleitet, die Zeit kurz stillsteht und Soldaten in schweren Rüstungen spektakulär zu Boden krachen, kommt Stimmung auf. Der Unterhaltungswert ist teilweise durchaus vorhanden.

Kopfschütteln verursachen aber die klaffenden Logiklöcher und dieser permanente Drang, den Balladenhelden in ein modernes, ultracooles Kleid zu zwängen.

Bunte, herausgeputzte Kostüme, ein steriles Setdesign und neumodische Schusswaffen nehmen der Legende die Seele. Das Mittelalter sah noch nie so freundlich aus. Für ein jüngeres Publikum mag diese Version eine Mordsgaudi sein. Wer die Kevin-Costner-Version noch im Kino erlebt hat, könnte in Tränen ausbrechen.

Verantwortlich für diese Farce ist auch der Regisseur. Otto Bathurst konnte sein dramaturgisches Handwerk vor allem mit der Gangster-Hitserie «Peaky Blinders» ins Szene setzen. Dass er seine Erfahrungen hauptsächlich in der Serienwelt gemacht hat, bemerkt man sofort. Der Kinofilm besitzt eine starre Fernsehästhetik. Die Räume sind eng, die Kamerafahrten unspektakulär und nervös und die Spezialeffekte zum Fremdschämen.

Was bleibt? Dieser Robin Hood hat mit der Legende nicht mehr viel gemeinsam. Die Anspielungen auf ein Kriegstrauma nach den Kreuzzügen, die Motivation des aufstrebenden Helden, das Symbol eines Widerstandes, sie alle gehen unter und hinterlassen einen nervösen Film, der das Fan-Herz mit einem dicken Pfeil brutal durchbohrt.

Info: In den Kinos Lido 2 und Cinedome, Biel.

BEURTEILUNG BT-FILMKRITIKER
- Simon Dick: ** (von 5 Sternen)
- Sven Weber: * (von 5 Sternen)

 



 

Stichwörter: Filmkritik

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